Ulm Sedelhof: Einzelhandel verlangt Verschiebung der Schließung, Stadt kontert

Die gestern vollgeparkte Tiefgarage Sedelhof: Der Handel will sie über Ende Januar hinaus geöffnet halten. Die Stadt sagt: Geht nicht. Foto: Volkmar Könneke
Die gestern vollgeparkte Tiefgarage Sedelhof: Der Handel will sie über Ende Januar hinaus geöffnet halten. Die Stadt sagt: Geht nicht. Foto: Volkmar Könneke
Ulm / HANS-ULI THIERER 03.01.2013
Neuerlich über Kreuz sind der Handel in der Bahnhofstraße und die Stadt wegen der Schließung der Sedelhof-Tiefgarage. Anlass: Investor MAB geht in einem Flächenangebot von einer späteren Eröffnung aus.

Alles nur ein Missverständnis? Desinformation? Ein Versuch angestammter Geschäfte, ureigene Interessen durchzusetzen? Fest steht: Der Einzelhandel in der Ulmer Bahnhofstraße - namentlich die vier großen Häuser Galeria Kaufhof, Peek & Cloppenburg, Reischmann, Sport Sohn - stellt den Schließungstermin für die Tiefgarage Sedelhof in Frage. Das Parkhaus soll Ende Januar geschlossen und abgerissen werden, um der neuen Galerie Sedelhöfe Platz zu machen. Flankiert wird das Quartett durch die CDU-Rathaus-Fraktion, was wiederum bei der Stadtspitze auf Unverständnis stößt. Doch der Reihe nach:

Auslöser des Vorstoßes ist ein Flächenangebot, das Sedelhöfe-Investor MAB kurz vor Weihnachten dem Stadtverband Ulm im Handelsverband Württemberg unterbreitet hat. Darin ist von einem "Eröffnungsdatum des Quartiers/Laden voraussichtlich im Herbst 2016" die Rede. Bisher hatte es immer geheißen, dass die Sedelhöfe im ersten Quartal 2016 in Betrieb gehen sollen. Konsequenz für Doris Lindhorst, Ute Dieterich, Klaus Mahle und Christoph Holbein, die Geschäftsführer besagter Häuser: Wenn der Eröffnungstermin sich um ein halbes Jahr nach hinten verschiebe, müsse auch der Abriss der Parkgarage Sedelhof "terminlich angepasst" und um mindestens sechs Monate verschoben werden.

Diese Forderung haben die Vier unter dem Signum des Stadtverbands Ulm im Handelsverband Württemberg in einer E-Mail nicht nur gegenüber Oberbürgermeister Ivo Gönner und Baubürgermeister Alexander Wetzig erhoben, sondern auch gegenüber dem Gemeinderat. Reagiert hat darauf die CDU. Deren Stadträte Dr. Hans-Walter Roth, Winfried Walter und Siegfried Keppler haben an den OB geschrieben. "Wir beantragen die erneute Prüfung, wie unter aktuellen Bedingungen bzw. im Fall einer Bauverzögerung die Sedelhof-Tiefgarage vorerst weiter offen bleiben kann."

Kann sie nicht, betonen hingegen Gönner und Wetzig. Beide sagen - nicht zuletzt deutlich in Richtung CDU -, es könne mitnichten von Bauverzögerungen die Rede sein. Gönner in seiner Brief-Antwort an die Händler: "Wir haben die Firma MAB um Stellungnahme gebeten, ob das von Ihnen zitierte unverbindliche Angebot als verbindliche Zeitplanänderung zu verstehen sei. Dem ist nicht so. Vielmehr bittet MAB um Verständnis, dass gegenüber Mietinteressenten zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur Termine mit einem Sicherheitszuschlag genannt werden." Auf konkrete Übernahme- oder gar Eröffnungstermine könne man sich in der jetzigen Phase nicht festlegen. "Gleichwohl streben alle Partner mit Nachdruck den kommunizierten Zeitplan an." Also: Eröffnung zwischen Januar und März 2016.

Baubürgermeister Wetzig sagte zur SÜDWEST PRESSE, der Fahrplan zum Abräumen des Sedelhof-Geländes stehe. "Es ist alles sehr eng vertaktet. Wer daran rüttelt, nimmt wirklich Verzögerungen in Kauf. Die Abrissarbeiten für die Tiefgarage sind vergeben und fixiert. Sollen wir vertragsbrüchig werden?" Der Projektentwickler MAB werde das Gelände übernehmen, sobald es abgeräumt sei, Wetzig rechnet damit bis zum Jahresende. Die Altlastenbeseitigung sei geregelt.

Derzeit läuft das Raumordnungsverfahren, bei dem Wetzig keine Stolpersteine sieht. "Es wird ein verkürzter Akt, weil das Projekt mit 18 000 Quadratmetern Handelsflächen unter der Maßgabe von maximal 20 000 Quadratmetern liegt und den Vorgaben des Regierungspräsidiums entspricht." Parallel zum Abriss werde das Bebauungsplanverfahren folgen, um das Baurecht zu schaffen.

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