Sie gelten als Ulmer "Jahrhundertprojekte": die Sedelhöfe und der Citybahnhof. Doch wie soll der Bahnhofsplatz mit der Innenstadt verbunden werden? Eine Lösung, die alle zufriedenstellt, ist bislang nicht in Sicht. 

Das folgende Foto zeigt die jetzige Situation:  

Die Grafik zeigt, wie der Zugang vom Bahnhof zur Innenstadt jetzt geregelt ist (grün) und wie er künftig aussehen soll (grau). Hauptstreitpunkte sind: 
1. der künftige Aufgang (rot) soll im Vergleich zum jetzigen (grün) etwa 15 Meter weiter stadteinwärts ans Tageslicht führen.
2. Hinzu kommt: die Sedelhöfe ragen weiter Richtung Bahnhof auf den überirdische Platz am Anfang der Fußgängerzone hinein. Die Folge: weniger Platz, schlechtere Einsicht in die Bahnhofstraße.  

Diese Situation bemängeln Parteien, Händler, die Industrie- und Handelskammer und das Ulmer Citymarketing.
 

Die Positionen der Akteure im Überblick:

Händler der Bahnhofstraße, das Ulmer Citymarketing, die IHK und Grüne beklagen, dass die Pläne für die Neugestaltung des Areals keinen repräsentativen Stadteingang aufweisen. Wer nach Fertigstellung der Sedelhöfe durch die (heutige wie künftige) Fußgänger-Unterführung aus Richtung Bahnhof in die City gehe, der stehe am Ausgang vor einem hohen Haus. Und nicht, wie angestrebt, vor einem sich öffnenden Raum mit Blick auf die Bahnhofstraße. Die Händler befürchten, dass künftig die Kundenströme verstärkt in die Läden der Sedelhöfe geleitet werden – zumal sie die von der Unterführung aus direkt erreichen können – aber nicht zu ihnen. Sie schlagen ein sogenanntes "City-Tor" vor. 

Die SPD-Fraktion hält den Zugang von der Bahnhofstraße zur Bahnhofspassage (und umgekehrt) für unzureichend. Die SPD kritisiert die Platzverhältnisse im Bereich der heutigen McDonalds-Filiale und des Berblinger-Denkmals als zu eng und unübersichtlich. Es seien keine hinreichenden Blickbeziehungen zur Bahnhofstraße und zum Bahnhofsgebäude gegeben. Diese sollten, so die SPD, durch ein „großzügiges Sichtfenster im Zugangsbereich zur Bahnhofsunterführung“ geschaffen werden. Und: „Treppe und Rolltreppen sollen Richtung Bahnhofstraße zeigen.“

Die CDU fordert eine Aufweitung des Platzes beim jetzigen McDonalds. Die geplanten Gebäude bei McDonalds sollen weiter nach Norden rücken, zu Lasten der neuen Bahnhofsgasse etwa auf Höhe der früheren Hypo. Dadurch wird der Platz größer. Der Eingangsplatz soll nach Plänen der CDU abgerundet werden. Das Gebäude, das statt der früheren Schwäbischen Zeitung entsteht, soll oval gestaltet sein. Dadurch werden die Passanten sowohl Richtung Sedelhöfe als auch Bahnhofstraße geführt. Die Bahnhofsunterführung soll bei McDonalds nicht mehr per Rolltreppe, sondern in einer Rampe ans Tageslicht kommen.

Die FWG sprechen sich für eine „Y-Idee“ aus. Das heißt: von der heutigen Fußgänger-Unterführung unter der Friedrich-Ebert-Straße aus wird eine neue Passage direkt zur Einmündung der Bahnhofsstraße geschaffen.
 
Eine solche Passage würde viele Probleme lösen, zählten die Stadträte Gerhard Bühler und seine Kollegen Erwin Böck, Reinhold Eichhorn, Dr. Rüdiger Reck, Helga Malischewski und Hanni Zehender auf. Sie würde ausschließlich auf städtischem Grund gebaut. Sie tangiere das Haus Bahnhofstraße 7 nicht, das stehen bleibt. Die Stadt müsste ihr Filetgrundstück (den kleinen Platz zwischen McDonalds und dem Haus Bahnhofsstraße 7) nicht verkaufen. Und das Wichtigste: Die Kunden müssten sich schon in der Unterführung entscheiden, ob sie zu den Läden in den Sedelhöfen wollen oder zu den Läden in der Fußgängerzone. Damit würden beide Bereiche gleichberechtigt behandelt.

Wie reagiert die Stadtverwaltung auf die Kritik? Stadtplaner Volker Jescheck sagt auf Anfrage: "Wir haben Verständnis dafür." Man sei sicher, dass man eine Lösung anbieten könne, die alle zufriedenstelle." In welche Richtung die Vorschläge gehen, möchte Jescheck nicht verraten. "Die Pläne befinden sich momentan beim Investor MAB." Danach wird es wohl Treffen zwischen der Stadtspitze und MAB geben, um dann schließlich nichtöffentlich mit den Fraktionen zu verhandeln. "Eine offene Feldschlacht wird es bei diesem Thema nicht geben", sagt Jescheck. 

Doch die Zeit drängt. "Im Herbst müssen alle strittigen Punkte abgeräumt sein", sagt Jescheck. Dann soll der Gemeinderat den Auslegungsbeschluss für den Bebauungsplan fassen - das heißt: an dem Plan darf nichts mehr geändert werden, ohne dass das gesamte Prozedere eines Bebauungsplans noch mal von vorne durchlaufen werden müsste.  

Auch die Öffentlichkeit soll noch einmal mit eingebunden werden. Am 16. Oktober im Kornhaus äußern sich Experten, Stadtverwaltung und der Investor. Bis dahin dürfte allerdings bereits mehr oder weniger feststehen, wie der endgültige Plan aussieht. Den späten Zeitpunkt erklärt Jeschek mit Terminproblemen. Zudem ergebe eine Podiumsdiskussion erst dann Sinn, wenn absehbar sei, dass der Gemeinderat den Plänen zustimmt.