Vor der Verwirklichung des Stadtquartiers Sedelhöfe durch den Investor MAB müssen massive Probleme gelöst werden. Es geht einerseits darum, mit einem Mietvertrag die Voraussetzungen für den Umzug von McDonald’s zu schaffen: zuerst in den fertigen Container, dann in das Einkaufszentrum Sedelhöfe. Erst nach einem solchen Vertrag kann das Grundstück am City-Eingang vollends freigeräumt werden. Andererseits können die Sedelhöfe nicht wie geplant erstellt werden, so lange das Vordach über der Anlieferung von Sport Sohn auf der Nordseite des Gebäudes in der Bahnhofstraße steht. Die Stadt ist mit ihrer Abbruchverfügung vor den Gerichten in Sigmaringen und Mannheim final gescheitert und muss eine versöhnliche Strategie einschlagen.

Sport Sohn liefert über den Hintereingang mehrmals täglich Ware mit einem 7,5-Tonner-Lastwagen an. Firmenchef Christoph Holbein will auf keinen Fall auf diese wichtige Warenschleuse verzichten. Er hat daher mit einem namhaften Architekturbüro eine Lösung entworfen, wie Sport Sohn angedient werden kann, wenn die Sedelhöfe wie geplant nördlich direkt anschließen: über klappbare Schaufenster östlich zur Sedelhofgasse hin. Dies würde die geschlossene Fassade des Einkaufszentrums soweit erhalten und Sport Sohn eine Art Lkw-Port mit 100 Quadratmetern geben.

Dann würde Holbein auf das verwaltungsgerichtlich bestätigte Vordach verzichten. Er verweist darauf, dass er das Problem der Andienung verschiedentlich zur Sprache gebracht hat, bis er durch die Abbruchverfügung überrascht wurde. Baubürgermeister Alexander Wetzig gesteht ein, dass die Sache „unglücklich gelaufen“ ist. Die Stadt habe das Wegerecht in den Vordergrund gestellt, nach Holbeins Worten ging es auch um die Gefahr herabfallender Eiszapfen. Letztlich gab jedoch die sauber erwirkte Baugenehmigung für das Dach den Ausschlag.

Aus Wetzigs Sicht geht es nun darum, sich mit Sport Sohn zu einigen: „Wir müssen eine Lösung finden.“ Dabei spiele auch eine Rolle, den Einfluss der Warenschleuse auf das Umfeld abzuschätzen und darüber mit MAB zu verhandeln. Wie aus mit den Verhandlungen befassten Kreisen zu hören ist, will MAB für den Lkw-Port einen Wertverlust in Millionenhöhe ansetzen, was auf die Stadt zurückfällt und den Preis für das Grundstück reduziert.

Nicht umsonst spricht Wetzig von einer komplexen Lage. Auch sein als Finanzdezernent intensiv mit juristischen Vertragsfragen befasster Kollege Gunter Czisch berichtet von „extrem schwierigen“ Gesprächen, um das Projekt Sedelhöfe vollends auf die Schiene zu setzen. Zumindest in Sachen McDonald’s seien die Verhandlungen jedoch „sehr weit gediehen“. Die Rathaus-Spitze arbeite komplett unter Volldampf, um die Voraussetzungen für den Bau der Sedelhöfe zu schaffen: „Wir haben aber nicht alles selbst in der Hand.“ Die Baupläne werden, wie berichtet, von Montag an öffentlich ausgelegt.

In diesem Kontext verlangt der alteingesessene Handel nach einer fairen Teilung der Passantenströme, die nun vom Bahnhof direkt in die Sedelhöfe geleitet werden – ohne Sichtachse zur bisherigen Einkaufsmeile Bahnhofstraße. Es werden Vorwürfe laut, die Stadt habe zugunsten des Projekts an MAB die „Frequenz verkauft“. In Handelskreisen heißt es, die City verliere damit insgesamt an Attraktivität und sei in jüngsten Frequenzanalysen auch schon stark zurückgefallen.