Ulm / HANS-ULI THIERER Das letzte Wort beim Thema Sedelhöfe hat nun der Ulmer Gemeinderat. Und das soll am kommenden Mittwoch in nicht öffentlicher Sitzung fallen. Mit einem Kommentar: "Mit rechten Dingen"

Ulms Finanzbürgermeister Gunter Czisch bestätigte am Donnerstag, ohne auf inhaltliche Details einzugehen: Die Stadt Ulm, die vom bisherigen Sedelhöfe-Investor gegründete Ulmer Projektfirma und der potenzielle neue Investor und Finanzier, das Hamburger Unternehmen DC Commercial, haben sich auf die Fortführung des Vorhabens geeinigt. Grundlage ist das durch MAB entwickelte Konzept eines Einzelhandels- und Wohnstandorts, das DC Commerical in den Grundzügen übernähme. Czisch: „Eine neue Planung wird es nicht geben, sondern einer Fortentwicklung der bisherigen.“

Das letzte Wort ist aber nicht gesprochen. Es obliegt dem Gemeinderat, betonte Czisch. Der Rat kann am kommenden Mittwoch in nicht öffentlicher Sitzung DC Commercial als neuen Investor akzeptieren oder aber ablehnen. Letzteres hieße in der Konsequenz wohl, dass die Sedelhöfe europaweit neu ausgeschrieben werden müssten und das abgeräumte Grundstück noch längere Zeit brach läge.

Schon zuvor waren sich die Firma MAB, die nach Abwicklung der Transaktion endgültig aus dem Geschäft der Projektentwicklung verschwindet, und DC handelseinig geworden. Nicht bekannt ist, was DC Commercial an MAB dafür zahlt, dass es die Ulmer Projektfirma übernehmen kann.

Ein Kommentar von Hans-Uli Thierer: Mit rechten Dingen

MAB, der ursprüngliche Investor, wird von seinen Geldgebern aus dem Verkehr gezogen. Und bekommt dafür noch etliche Millionen nachgeschmissen für das durch ihn entwickelte Sedelhöfe-Konzept. Auch die Stadt wird finanziell deswegen bluten. Weil der neue Investor nur auf ein vorgefertigtes Konzept aufbauen und nicht bei Null anfangen kann, drückt das auf den (Grundstücks-)Preis.

Verkehrte Welt, mag sich der Bürger entrüsten. Ohnehin hatte er schon mit Kopfschütteln quittiert, dass der Umzug des milliardenschweren Schnellimbiss-Konzerns McDonald’s mitten hinein in die Bahnhofstraße die Stadt Millionen gekostet hat.

Bei allem Unverständnis ist aber zweierlei beruhigend: Erstens ist alles mit rechten Dingen zugegangen. McDonald’s war für die Stadt so teuer, weil mit der Stadt ein langfristiger Mietvertrag bestand. Und MAB war 2012 unabhängig von Kritik an Planungsdetails als Bestbieter aus einer korrrekten Ausschreibung hervorgegangen und hatte den Zuschlag für die Sedelhöfe erhalten.

Zweitens: Der Gemeinderat hat als gewähltes Organ noch immer den Daumen drauf und das letzte Wort. Lässt er sich auf den neuen Finanzier DC Commercial ein, kann das Verfahren dort fortgesetzt werden, wo es vor Jahresfrist auf Eis gelegt werden musste, weil der Investor flöten ging. Senken die Räte den Daumen, geht es wie bei Monopoly. Es hieße nämlich: Neue Ausschreibung, also zurück auf Start.