Richtig glücklich sieht anders aus. Auf der Pressekonferenz zum Fortgang des Sedelhöfe-Projektes am Freitag waren die Protagonisten eher erleichtert - vielleicht ja auch darüber, dass jetzt endlich Wochenende ist. Dabei ging es echt um etwas. Schließlich ist dieses Quartier in der Realisierung gerade das wichtigste und ambitionierteste Vorhaben der Ulmer (Innen-)Stadtentwicklung. Es wird mit dem bisherigen Partner jetzt zumindest mal "fortgesetzt", wie es nach offizieller Sprachregelung heißt. Man weiß ja nie.

Damit ist eine einmonatige Hängepartie zu Ende, die zu manchen Spekulationen Anlass gab. Damals hatte die international agierende Rabo Real Estate Group vermeldet, sich aus der Projektentwicklung zurückzuziehen, was auch die Tochter MAB Development Deutschland betrifft - den Investor für die Sedelhöfe. Tatsächlich dürfte dieses Projekt am seidenen Faden gehangen haben. Gestern teilte der Chef von MAB Deutschland, Michael Flesch, in Ulm aber mit: "Es wird gebaut."

Dass das nicht unbedingt ausgemachte Sache war, ist auch klar. Alle Projekte der Firmengruppe wurden dem Vernehmen nach auf Fortsetzung überprüft. Im Bau befindliche bekamen das Okay, die in der Einwerbung nicht. Es blieben die "in der Schwebe", und in Deutschland gab es eines davon: Ulm. Und Ulm hatte Glück.

Tatsächlich hat das Projekt der Sedelhöfe einen kritischen Punkt erreicht. Einerseits ist das Gelände oberirdisch schon freigeräumt, andererseits sind die Grundstücke weiter im Besitz der Stadt und noch nicht von MAB erworben. Das hätte bei 130 Millionen Euro Gesamtinvestitionen auch gegen das Projekt sprechen können, obgleich es bindende Verträge gibt, wie OB Ivo Gönner als Jurist stets ins Feld führt. Er versuchte in seiner gewohnt geschäftsmäßig-gelassenen Art gestern folglich den Dampf aus der Sache zu nehmen.

Dabei dürfte unter den Finanz- und Immobilienmanagern - mal abgesehen von der fortgeschrittenen Planung - gerade für Ulm gesprochen haben, dass es gewaltig unter Dampf steht. Die Stadt genießt Renommee. Sie gilt als hervorragender, zukunftsfähiger Standort im Allgemeinen und für den Einzelhandel im Besonderen.

Vor diesem Hintergrund lässt sich auch ein modernes Quartier für Einkaufen, Arbeiten, Wohnen und Freizeit aussichtsreich vermarkten. Flesch nennt es nicht von ungefähr "ein Leuchtturmprojekt". Wenn die Entscheidung für die Sedelhöfe letztlich also auch ein Ergebnis der jahrelangen Standortpolitik von Stadtspitze und Gemeinderat sein sollte, dann ist das auch das Glück der Tüchtigen. Kurioserweise können dem übrigens auch die unglücklichen Kritiker der Sedelhöfe etwas abgewinnen, denn was wäre die Alternative gewesen? Eine zunächst mal brachliegende Baustellenwüste mitten in der Stadt?

Es kam also nicht von ungefähr, dass gestern der Oberbürgermeister, zwei Bürgermeister und mit Flesch sowie der Projektleiterin Caroline Rauschenbach die wichtigsten Vertreter des Investors mit am Tisch saßen. Ob dieses Kraftpaket nun ein Zeichen für die Bekräftigung der Partnerschaft war oder ob es im Rathaus vielleicht doch noch viel mehr zu besprechen gab - das bleibt dahingestellt.

Einstweilen kann man in Ulm direkt zur Tagesordnung übergehen. Denn schon am kommenden Dienstag soll der Bebauungsplan für die Sedelhöfe aufgestellt werden. Dann geht es für die Stadt und MAB Deutschland Schritt für Schritt und Stufe für Stufe weiter. Fortsetzung folgt.