Nach dem Streik auf der Sedelhöfe-Baustelle vor einem Monat geht es mit dem Rohbau wieder rasch weiter. Das Berliner Bauunternehmen Koha hat einen neuen Subunternehmer hinzugezogen und den Mitarbeitern der Alt­firma Cardoso, die die Löhne anscheinend unregelmäßig bezahlt hatte, zumindest die Sozialleistungen erstattet. Bei Projektentwickler  DC rechnet Firmenchef Lothar Schubert mit einer Fertigstellung des Rohbaus im Frühjahr.

Bereits zum Jahresende soll der Rohbau aus der Baugrube herauswachsen. Dort entstehen derzeit drei Ebenen mit Tiefgaragen und das Untergeschoss der Sedelhöfe, für das, wie berichtet, schon Edeka und DM als Mieter feststehen. Hier erfolgt auch die Anbindung der Bahnhofspassage.

„Dann geht der Acker los“

Für den oberirdischen Teil der 18.000 Quadrameter Handelsflächen, aber auch Büros und Gastro, laufen die Mietverhandlungen auf Hochtouren. McDonald’s ist gesetzt. Außerdem rückt der angrenzende Neubau Bahnhofplatz 7 in den Fokus, für den heute der Bebauungsplan verabschiedet wird (siehe Infokasten unten). Fertigstellung: 2020. Die Fortschritte bei den Sedelhöfen rufen nun auch die etablierten Einzelhändler auf den Plan, die auch aus Fairness-Gründen eine Aufwertung der alten Fußgängerzone Bahnhof- und Hirschstraße fordern. Aus Sicht von Citymanager Henning Krone könnte dies bald ein Thema im Citydialog werden.

Zwar könne mit einem solchen Facelift wegen Ausschreibungsfristen nicht sofort begonnen werden: „Das ist nicht realistisch.“ Aber vielleicht wäre ein Start noch während der Bauarbeiten der Sedelhöfe möglich.

Seitens der IHK sagte Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle, es könne nicht sein, dass die Passanten nach den schicken Sedelhöfen auf dem Altbelag aus den achtziger Jahren bis zum Münsterplatz weitergehen: „Dann geht der Acker los.“ Die IHK war über eine Stellungnahme zum Bauplan Bahnhofplatz 7 ins Verfahren eingebunden und hatte dabei schon die Aufwertung der Fußgängerzone gefordert - vergeblich. Sälzle hält es gleichwohl für ideal, wenn in den Sedelhöfen und der Altfußgängerzone „in einem Rutsch“ Belag und Beleuchtung erneuert werde, und zwar „baldmöglichst“.

Schon wieder eine Baustelle?

Die Stadtverwaltung weiß sehr wohl um die Mängel in der Fußgängerzone Bahnhofstraße und Hirschstraße. „Dass dort was passieren muss, ist ganz klar“, sagt Volker Jescheck, der bisher Chef-Stadtplaner war und nun den Innenstadtdialog koordiniert. Er kennt auch die Ansicht von IHK und Ulmer City, dass die Fußgängerzone möglichst schnell erneuert werden soll.

Es gebe aus dem Handel aber auch andere Stimmen: die nämlich, die erst mal genug von Baustellen haben. Jescheck ist überzeugt: „Viele Ulmer haben davon auch erst mal die Nase voll.“ Er vergleicht den Bau der Sedelhöfe mit der Neugestaltung der Fußgängerzone: „Die Frage ist, ob man gleich nach der großen Herz-OP auch noch das Kniegelenk operieren muss.“

Die Stadt meint: nein. Dies auch deswegen, weil es mit einem neuen Bodenbelag nicht getan ist. Kanäle und Leitungen müssen erneuert werden, „da reden wir von zwei Jahren Baustelle“. Im städtischen Investitionsprogramm für die nächsten Jahre ist die Neugestaltung von Bahnhof- und Hirschstraße jedenfalls nicht vorgesehen. Mit allen Arbeiten im Untergrund rechnet Jescheck mit Kosten bis zehn Millionen Euro.

Nach seiner Ansicht sollte sich Ulm „mit einfachen Maßnahmen ein paar Jahre rüber retten“: mehr Sauberkeit zum Beispiel oder bessere Beleuchtung. Im Innenstadtdialog soll das Thema Neugestaltung Fußgängerzone dann auf die Tagesordnung. Ergebnisoffen, wie Jescheck betont. „Es wäre für einen Dialog schlecht, wenn eine Gruppe schon vorher sagt: So muss es gemacht werden.“

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Letzte Hürde für Bahnhofplatz 7


Bebauungsplan Der Bauausschuss und der Gemeinderat werden in ihren Sitzungen heute und morgen den Weg für den Neubau am Bahnhofplatz 7 endgültig frei machen und den Bebauungsplan beschließen. Dass die Ulmer Stadträte grünes Licht geben, darf nach den bisherigen Voten in dieser Sache als sicher gelten.

Neubau Der Sedelhöfe-Investor DC Developments investiert in den vom Ulmer Büro Mühlich, Fink und Partner entworfenen Neubau rund 40 Millionen Euro. Allein die aufwendige Fassade kostet rund 4 Millionen Euro. Neben Einzelhandel im Erdgeschoss zieht ein „Me and all“-Boutiquehotel der Düsseldorfer Lindner-Gruppe ein, die auch die Dachterrassen-Bar betreibt. DC-Geschäftsführer Lothar Schubert ist überzeugt: „Dieses Haus wird der Knaller.“