Neu-Ulm Sechseinhalb Jahre Jugendhaft für tödliche Messerattacke in Pfuhl

Neu-Ulm / dpa 27.03.2014
Wegen Totschlags hat das Landgericht Memmingen einen 21-Jährigen zu sechseinhalb Jahren Jugendhaft verurteilt. Der Asylbewerber aus Pakistan hatte im vergangenen Sommer einen 29-jährigen Mitbewohner in einer Asylbewerberunterkunft im Neu-Ulmer Stadtteil Pfuhl erstochen.
Ein Streit um 153 Euro und eine Anzeige bei der Polizei endete vergangenen Sommer in Neu-Ulm tödlich. Aus Angst vor ausländerrechtlichen Konsequenzen erstach ein Asylbewerber einen Mitbewohner. Der 21-Jährige wurde wegen Totschlags zu sechseinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt. „Er hat ihm mit einer enormen Wucht die 20 Zentimeter lange Klinge in den Körper gerammt“, sagte die Vorsitzende Richterin am Donnerstag in ihrer Urteilsbegründung.
 
Der Angeklagte habe zwar spontan gehandelt, dabei aber in Kauf genommen, dass der Stich tödlich sein könne. Vor der Messerattacke hatten die beiden Männer um geliehenes Geld und eine Anzeige bei der Polizei gestritten.
 
Das Opfer starb an inneren Verletzungen. Durch den Stich in den Rumpf wurde seine Hauptschlagader durchtrennt. Wenige Stunden vor der Bluttat hatte der 29-Jährige bei der Polizei Anzeige erstattet. Er beschuldigte seinen damals 20-jährigen Zimmergenossen der Unterschlagung und Körperverletzung. Es ging um 153 Euro, die er dem Jüngeren geliehen hatte und die dieser nicht zurückzahlen wollte.
 
Am Abend des 30. Juli vergangenen Jahres kam es wegen der Anzeige zum Streit. „Der Angeklagte hatte Angst vor ausländerrechtlichen Konsequenzen“, sagte die Richterin. Als der 29-Jährige die Bitte, die Anzeige zurückzunehmen, zwar bejahte, aber nicht unmittelbar reagierte, stach der 21-Jährige zu. „Er war gekränkt, weil der andere nicht sofort zur Polizei gegangen ist.“ Die Messerattacke als Reaktion auf die Kränkung deutet nach Auffassung des Gerichts auf ein
deutliches Reifedefizit des Angeklagten hin. „So reagiert ein Kind, kein Erwachsener.“
 
Zu Prozessbeginn hatte der Angeklagte noch alle Vorwürfe zurückgewiesen. In seinem Schlusswort bat der 21-Jährige jedoch um Verzeihung und ließ über einen Dolmetscher erklären, dass er die  Verantwortung für die Tat übernehmen wolle. Die Staatsanwaltschaft hatte acht Jahre und zwei Monate Haft wegen Totschlags gefordert, die Verteidigung hatte vier Jahre beantragt.