"Hast du ,Die Therapie' gelesen und kennst du ,Das Kind'?" Die Frauen vor dem kleinen Büchertisch im Ulmer Stadthaus tauschen sich aus über die Psychothriller von Sebastian Fitzek, den derzeit erfolgreichsten deutschen Schriftsteller mit rund fünf Millionen verkauften Büchern. Die einhellige Meinung unter den begeisterten Fans: Der Mann lehrt einen das Gruseln. Und noch besser: Seine Geschichten, und vor allem das Ende, überraschen.

Dann kommt der Meister des Grauens und man reibt sich verwundert die Augen. Da setzt sich einer auf den Stuhl, der aussieht wie ein Grundschullehrer. Aber das kennt man ja auch aus vielen TV-Krimis und aus der Realität: Die Harmlosen sind immer die Schlimmsten.

Im Laufe des Gesprächs mit SÜDWEST PRESSE-Chefredakteur Ulrich Becker und Jürgen Kanold, Leiter des Ressorts Feuilleton, entpuppt sich der 43-jährige, dreifache Familienvater dann tatsächlich als ein Mensch, der so normal ist wie du und ich. Nur, dass Fitzek die Gabe hat, aus der Realität, die "man ja oft gar nicht glauben will", Geschichten zu spinnen, die möglich sein könnten, es aber beruhigenderweise nicht sind.

Er sei ein Weichei, gesteht er denn auch gleich zu Anfang. Und erzählt, dass die Saat seiner Ängste die Fernsehsendung "Aktenzeichen XY" gelegt habe. "Vor allem die Stimme aus dem Off, die die Fälle schildert, hat mich in meiner Jugend traumatisiert." Immer, wenn er im Dunkeln in Berlin an einem Park vorbeigeradelt sei, hörte er im Geiste: "Sebastian Fitzek wurde zuletzt gesehen, als er . . ."

Schreiben ist ein Ventil für den eloquenten Berliner und einstigen Chefredakteur eines Radiosenders. Und er macht seine Leidenschaft, Krimis zu schreiben, wie die der Leute, selbige zu lesen, daran fest, dass das "Urthema Tod heute im Alltag verdrängt wird - gestorben wird im Altersheim und im Krankenhaus". Trotzdem wolle man sich damit beschäftigen, und da sei der Krimi eben eine gute Möglichkeit.

Das Grauen entwickelt Fitzek nicht, indem er in einem "rostigen Keller mit blutigen Exponaten" sitzt, sondern in einem Wintergarten, der seinen Blick aufs Grüne lenkt: "Das bringt mich in Stimmung." Schreibblockaden kennt er nicht, wenn schon dann eher Denkblockaden und Zweifel, weil sich eine Geschichte unlogisch entwickelt.

Aber alles in allem kann das nicht so schlimm sein. Immerhin sind 16 Bücher in neun Jahren kein Pappenstiel. Wer alle schon gelesen hat, kann sich freuen: Ende des Jahres erscheine schon wieder ein neues.

Zur Person vom 4. Februar 2015

Leben Sebastian Fitzek wurde 1971 in Berlin geboren. Dort lebt er immer noch und arbeitet in der Programmdirektion des Berliner Radiosenders 104.6 RTL. Er studierte Jura bis zum ersten Staatsexamen, promovierte im Urheberrecht und arbeitete dann aber als Chefredakteur und Programmdirektor für verschiedene Radiostationen Deutschlands.

Bücher Seit 2006 schreibt Fitzek Psychothriller, die allesamt zu Bestsellern wurden. Sein Erstlingswerk "Die Therapie" erschien im Juli 2006 im Droemer Knaur Verlag, wie auch seine darauf folgenden. Im Jahr 2007 wurde "Die Therapie" als bestes Krimi-Debüt für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Zuletzt erschien im Oktober 2014 der Thriller "Passagier 23" im Verlag Droemer Knaur.

Zitate von Sebastian Fitzek: Mir sind alle willkommen

"Der Geist." Sebastian Fitzek auf die Frage, welches sein liebstes literarisches Mordwerkzeug ist.

"Der Münsteraner Tatort, obwohl ich gar nicht der typische "Tatort"-Gucker bin. Die sind alle darauf trainiert, mit Gewalt umzugehen, das ist nicht so spannend." Welches sein Lieblings-"Tatort"-Team ist?

""Schweigen der Lämmer"; "Das Parfüm"; das Gedicht "Der Rabe" von Edgar Allan Poe." Drei Krimis, die man gelesen haben sollte, außer natürlich diejenigen von S. Fitzek.

"Es gibt keinen idealen Leser; mir sind alle willkommen: die Jugendliche im Gefängnis, die sich ein von mir signiertes Buch wünscht wie auch die 94-Jährige, die zum ersten Mal in ihrem Leben einen Thriller gelesen hat, obwohl sie in den Buchladen gegangen war, um einen Rosamunde-Pilcher-Roman zu kaufen". Auf die Frage, wie für ihn der ideale Leser aussieht.

"Alle, mit Vorliebe aber die Bösewichte; die müssten dann allerdings hinter einer Plexiglasscheibe platziert werden." Welche seiner Romanfiguren er gerne mal zum Essen einladen würde.

"Wenn es gegen Kinder ginge." Was ihn selbst zum Täter werden lassen könnte. Aber als Jurist lehne er die Selbstjustiz ganz klar ab.

"Überall dort, wo es Wasser gibt. Ich liebe es, aufs Wasser zu schauen. Und dann müsste noch jeden Monat eine andere Jahreszeit sein." Wo er - außer in Berlin, wo seine drei Schreibtische stehen - noch gerne schreiben und leben würde.