In jeder Buchhandlung mit Science-Fiction-Auswahl sind sie ein Hingucker: silberne Bücher mit fantastisch-bunten „3 D“-Titelbildern. Schon länger tauchen sie sogar regelmäßig in der „Spiegel“-Bestsellerliste auf. Die Rede ist von den „Perry Rhodan“-Silberbänden, die auf eine 40-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Was kaum einer weiß: Die ersten 13 Bände wurden von der Druckerei Ebner in Ulm hergestellt.

1978 beauftragte die Redaktion den Exposéautor William Voltz (1938-1984), die seit 1961 wöchentlich in Heftform erscheinende Romanserie um den Weltraumhelden Perry Rhodan für das Buchformat als Werkausgabe zu überarbeiten. Mehrere Hefte sollten in einem etwa 400-seitigen Hardcover zusammengefasst, von Sachfehlern bereinigt, stilistisch geglättet und inhaltlich abgerundet werden. Verlagsleiter Kurt Bernhardt wollte gleich mehrere tausend Druckfahnen des ersten Silberbandes „Die Dritte Macht“ signiert haben – die Zahlen variieren nach Quelle zwischen 2000 und 15 000 Exemplaren.

Voltz reiste nach Ulm, wo er sich mit seinen Kollegen, den Serienschöpfern Clark Darlton (alias Walter Ernsting, 1920-2005) und Karl-Herbert Scheer (1928-1991), in den Räumlichkeiten der Druckerei Ebner, wohl am damals gerade bezogenen Standort in Böfingen zum Signiermarathon traf. Scheer erinnerte sich 1986 in einem Werkstattband an einen abendlichen Spaziergang, der nach den ersten 2000 Unterschriften neue Kraft bringen sollte. Voltz habe ihn, den Technik­spezialisten, im Scherz gefragt, wo man an einem Mercedes eine Sprengladung anbringen müsse. Warum? Weil der Verlagsleiter einen fahre, bekam Scheer als Begründung zu hören.

Damals weilte auch der heute dienstälteste Risszeichner der Serie in Ulm. Der in Lüneburg geborene Allgemeinmediziner Christoph Anczykowski war 1976 für sein Studium in eine heute abgerissene Studentenbude in der Neutorstraße gezogen. Ulm erschien dem jetzigen Schwaikheimer, der gern auf seine Zeit an der Donau zurückblickt, damals als die bessere Alternative zum hektischen Berlin. Neben seinem Studium belieferte er die Perry-Rhodan-Redaktion gelegentlich mit Risszeichnungen. Gerne wäre Anczykowski dabei gewesen, als die Herren im „Wilden Mann“ ihre Akkordarbeit begossen. Allerdings hatte Scheer wegen einer Sehnenscheidenentzündung bereits früher aufgeben.

Nähere Umstände ihres Aufenthalts in Ulm lassen sich leider nicht mehr rekonstruieren. Inge Mahn, Witwe des früh an Krebs verstorbenen Voltz, geht davon aus, dass die Autoren nicht später als im August für höchstens drei bis vier Tage in Ulm weilten. Jedoch gibt einer der in Ulm unterzeichneten Silberbände zumindest Auskunft über den Schluss der Aktion.

Am 17. August 1978 signierten Voltz und Darlton die letzte Druckfahne, die Unterschrift von Scheer fehlt. Klaus N. Frick, Chefredakteur für „Perry Rhodan“ im Pabel-Moewig-Verlag, befürchtet, dass beim Umzug der Redaktion von München nach Rastatt aufschlussreiche Archivalien und Fotos von dieser Aktion entsorgt worden sind: „Es ist so, als hätte es sie nie gegeben.“ Dieter Hofher aus Weidenthal, Abonnent der ersten Stunde, ist heute noch stolz auf den Schatz, den er seit 1978 druckfrisch hütet: „Die ersten 500 Abonnenten bekamen vom Verlag einen handsignierten Band geschickt.“

Bis einschließlich dem im September 1982 veröffentlichten Band 13 („Der Zielstern“) wurden die Silberbände in Ulm gedruckt, mit Band 14 verlagerte sich die Produktion zu Mohndruck nach Gütersloh. Nun erscheint im September Band 143 („Ordoban“), der den „Chronofossilien“-Zyklus eröffnet. Die Herausgeber der „längsten zusammenhängenden Buchserie der Welt“ zeigen sich zuversichtlich, auch den Jubiläumsband 150 herauszubringen.

Seit 57 Jahren auf dem Markt


„Perry Rhodan“ erscheint seit dem 8. September 1961 wöchentlich als gedruckter Heftroman, mittlerweile auch als E-Book und Hörbuch. Die Science-Fiction-Reihe gilt heute als längste Fortsetzungsgeschichte der Welt. Am 9. Februar 2019 präsentieren die aktuellen Exposéautoren, die  Germanisten Christian Montillon und Wim Vandemaan, im Literaturhaus München den 3000. Band. cas