Ulm Schwörmontag: Stadt kontrolliert härter bei Alkohol

Ulm / FRANK KÖNIG 10.04.2014
Wie lange soll abends gefeiert werden - nicht nur an Schwörmontag, auch sonst im Sommer? Darum geht es der FDP. Es gibt einen breiten Wunsch nach mehr Polizei-Präsenz, aber keine perfekte Lösung.

Mit Blick auf die abendliche Party an Schwörmontag geht es weiter um mehr Sicherheit, weniger Glasscherben und weniger harten Alkohol. Die Wirte stehen freilich auf dem Standpunkt, dass sich das Rad nicht mehr völlig zurückdrehen lässt. "Es gibt keine perfekte Lösung", sagte Michael Freudenberg vom Wilden Mann am Dienstagabend bei einer FDP-Podiumsdiskussion zur "lebendigen Stadtkultur in Ulm". Dazu kamen etwa 45 Interessierte ins Bürgerhaus Mitte.

Sicherheit Viktor Bucholtz vom Verein Leben in der Stadt (Leise) hatte als einer der Sprecher des achtköpfigen Podiums generell eine Aufstockung der Polizeistreifen ins Spiel gebracht: "Das wäre ideal." Die Zustände in der City seien schlimm, junge Leute zögen grölend durch die Stadt. Manche Bewohner müssten aber um fünf Uhr aufstehen, um zur Arbeit zu gehen. Montags könne man kein Fenster mehr öffnen, weil es nach Urin stinkt. Citymanager Henning Krone wies darauf hin, dass es am selben Abend im Stadion beim Spiel Ulm gegen Heidenheim wohl eine "Eins-zu-eins"-Relation beim Polizeieinsatz gab: sprich, auf jeden Fan kommt ein Polizist. Rainer Türke von den Bürgerdiensten betonte, an Schwörmontag stehe Sicherheit an oberster Stelle. Die Polizei sei eher nachts im Einsatz. Vergleiche mit der Love Parade lehnte er ab. Aus Sicht von Marcus Bühler vom Verein Stadtempfinden lässt sich das Problem der Wildpinkler, die auch tagsüber auftreten, nur mit mehr Toiletten lösen. Barny Sancakli von SHS sagte, seine Security habe die Lage auf dem Münsterplatz unter Kontrolle. Man verständige sich über Funk wegen anderer Brennpunkte wie im Fischerviertel. Um die Koordination zu verbessern, muss aus Sicht Bühlers die Stadt als einheitlicher Veranstalter auftreten - nicht 40 Wirte und Eventagenturen. Nach Auskunft Ludwig Merkles vom DRK gibt es an Schwörmontag bei vermuteten 100.000 Besuchern rund 100 Verletzte, die erst im Kornhaus behandelt werden. Sancakli sagte, beim South Side Festival mit 60.000 Leuten müssten 2500 ärztlich versorgt werden.

Alkohol Eines der Hauptprobleme an Schwörmontag, das wurde deutlich, bleiben die Glasscherben, vor allem, wie Sancakli sagte, am "Knotenpunkt Lautenberg". Stephan Huber von Donau 3 FM hält es für ein Unding, dass Jugendliche unkontrolliert ihre Eineinhalb-Liter-Wodkaflaschen in Rucksäcken mitbringen können. Daher sei auch der Münsterplatz während des abgesperrten Konzerts picobello, nach Abbau der Absperrung jedoch in zehn Minuten total vermüllt. Türke machte deutlich, dass die Bürgerdienste den Wunsch des Gemeinderats nach einem generellen Verbot von Glasflaschen - auch für nicht-alkoholische Drinks - prüfen. Er kündigte im Rahmen des Jugendschutzes für 2014 nochmal deutlich erweiterte Alkoholkontrollen auch im Rahmen des Nabada an. Freudenberg betonte, der harte Alkohol komme aus dem Handel, nicht von den beteiligten Gastronomen.

Gastronomie Die Sperrzeit für die Party an Schwörmontag wurde wieder von 23 auf 24 Uhr ausgedehnt (siehe Infokasten). Dennoch werden sich nicht alle Gastronomen, die Schwörmontag 2013 boykottiert hatten, zurückmelden. Das stellte Freudenberg klar. Die finanziellen Auflagen mit Beteiligung an Müll- und ASB-Kosten seien enorm hoch geworden: "Manche können sich Schwörmontag nicht mehr leisten." Die städtische Rechnung für den Wilden Mann betrage 7000 Euro. Da könne er nicht noch eine Live-Band für 4000 Euro engagieren - die früher noch für 500 Euro zu haben war. Der Gastronom zeigte teils Verständnis für Jugendliche, die mit billigen Getränken "vorglühen" - für sie seien die Gastro-Preise zu hoch. Er klagte, dass oft negativ über Schwörmontag berichtet werde. Da könne man den abendlichen Event gleich abschaffen. Krone sieht das City-Konzept "Fair feiern" als Lösung.

Außenbewirtschaftung FDP-Moderator Erik Wischmann brachte auch das Thema Außenbewirtschaftung aufs Tapet. In Ulm sei um 23 Uhr Schluss, andere Städte erlaubten jedoch 24 Uhr. Türke nannte 23 Uhr einen "guten Kompromiss". Freudenberg sagte im Gegensatz zu Bucholtz, man halte die Sperrzeit exakt ein. Vor allem Touristen hätten dafür aber kein Verständnis.

Diskussion Während Torben Schuster den Gedanken von Sancakli aufgriff, an Schwörmontag eine kleine City-Gebühr von zwei Euro zu verlangen, um bessere Kontrollen zu finanzieren, wollte Dietmar Reinborn von der Regionalen Planungsgruppe Mitte-Ost kein abgeschlossenes Revier wie in Afrika, wo sich reiche Weiße in "gated communities" abschotten. Es ging auch nochmal darum, ob die Stadt ausreichend Mülltonnen aufstellt. Da waren die Meinungen nicht einheitlich.

Party bis 24 Uhr