Fest Schwörmontag: Emoticons für Friedlichkeit

Mit diesen drei Emoticon-Zeilen will die Stadt Jugendliche zum Nabada auf vernünftiges Feiern einschwören – zu deren eigenem Schutz und für eine fröhliche Stimmung in Ulm.
Mit diesen drei Emoticon-Zeilen will die Stadt Jugendliche zum Nabada auf vernünftiges Feiern einschwören – zu deren eigenem Schutz und für eine fröhliche Stimmung in Ulm. © Foto: Stadt Ulm
Ulm / JAKOB RESCH 13.07.2016
Sechs Tage vor Schwörmontag, zeigt sich die Stadt Ulm entspannt. Fast alles wie gehabt. Aber OB  Gunter Czisch ist neu. Er hält seine erste Schwörrede. <i>Mit einem Kommentar von Jakob Resch: Fest der Jugend.</i>

Am kommenden Montag werden wieder Zehntausende nach Ulm strömen, um den Schwörmontag zu feiern. Am Dienstag gab es dazu Einzelnes von Stadtverwaltung und Sicherheitskräften. Im Überblick:

Schwörfeier „Die Schwörrede wird sicherlich auf großes Interesse stoßen“, sagt Sabine Gauß. Leiterin der Zentralen Dienste bei der Stadt. Grund: Es ist die erste des neuen Ulmer Oberbürgermeisters Gunter Czisch, der dann am Schluss seinerseits den uralten Schwur von 1345 auf die Stadtgemeinschaft sprechen wird. Dazu gibt es noch was Neues: Erstmals wird die Rede für Menschen mit Hörbehinderung live in Gebärdensprache übersetzt, dafür ist im vorderen linken Bereich des Weinhofes Platz. Im Rahmen der Schwörfeier (Beginn: 11 Uhr) gibt es diesmal außerdem den Bindertanz.

Nabada Für den Wasserfestzug am Nachmittag auf der Donau startet die Stadt eine Kampagne in HandyBildsprache: mit Emoticons in städtischen Bussen und auf Postkarten. Gauß: „Wir wollen damit die jugendlichen wilden Nabader ansprechen“, damit sie beim Nabada nicht über die Stränge schlagen. Botschaft der Bildstrecken: Nicht zu viel saufen! Keine Gewalt! Vorsicht vor Unterkühlung! Um die Menschenströme zur Donau im Griff zu haben, wird von 15.30 Uhr an der Engpass Metzgerturm zur Donau gesperrt, Zuschauer werden über Saumarkt und Rosengarten umgeleitet.

Ausklang Die Stadt hält am Konzept dezentraler Veranstaltungsorte in der Innenstadt fest, sagt Rainer Türke von den Bürgerdiensten (in der Friedrichsau läuft alles wie jeher). Am Marktplatz gibt es Stimmungsmusik für etwas Ältere, an der „Zill“, beim Wilden Mann, auf dem Münsterplatz läuft der Sound für Jüngere, am Judenhof Weltmusik. Kommen noch die Lokale in der Breiten Gasse (Vorglühbar/Largo) am Judenhof und Capos Laden in der Platzgasse hinzu, dann hat man die wichtigsten Plätze mit Musik. Insgesamt haben 51 Gaststätten vor, draußen auszuschenken. Speziell auf dem Münsterplatz ist laut Türke Live-Musik gefordert, um der Party die Spitze und Lautstärke mit DJ-Acts zu nehmen. Und um 24 Uhr ist Schluss.

Jugendschutz Die Bürgerdienste der Stadt und die Polizei kontrollieren vom Mittag und vom Bahnhof an Jugendliche auf Alkoholika. Sie haben den Eindruck, dass sich die Situation in den letzten zwei Jahren entschärft hat, volltrunkene Jugendliche schon zur Mittagszeit seien nicht mehr zu sehen, sagt Bernhard Gurrath von der Ulmer Polizei. Und es muss auch deutlich weniger Alkohol beschlagnahmt werden, ergänzt Türke.

Sicherheit Die Ordnungsdienste hoffen auf eine entspanntere Lage gerade an den gefragtesten Partyplätzen in der Innenstadt. An der „Zill“ gibt es breitere Wege nach Abschluss der Bauarbeiten für die Sparkasse. Auf dem Münsterplatz wird mit Megaphonen und Transparenten gearbeitet, wenn es zu voll zu werden droht. Gurrath merkt übrigens an, bisher habe es in Ulm noch keine Übergriffe auf Frauen gegeben wie in der Silvesternacht in Köln, „auch an Fastnacht nicht“.

Verkehr Die Bahn setzt drei Sonderzüge ein, die spätabends zusätzlich nach Laupheim, Ehingen und Heidenheim fahren. Das wird finanziert aus Sondermitteln des Landes für dergleichen Großereignisse, wie Markus Zimmermann vom Nahverkehrsbund DING berichtet.

Wilde Nabader haben ihre Wassergefährte zuletzt immer öfter wild am Donauufer entsorgt. Deswegen stellen die Entsorgungsbetriebe der Stadt (EBU) erstmals einen Extra-Container beim SSV-Bad auf. EBU-Chef Michael Potthast erzählt allerdings auch, dass oftmals ein Zettel an den Booten klebt: „Wird abgeholt!“ Und manche nähmen liegen gelassene saubere Sachen einfach mit. Die EBU sammeln Müll in 150 orangefarbenen Müllinseln, die schon an den Anfahrtswegen aufgestellt werden, Beispiel Ehinger Tor. „Und wenn die Festleute abtanzen“, sagt Potthast“, tanzen wir auf.“ Von 4 Uhr an. Mit 25 Stadtreinigern.

Und Neu-Ulm?

Der Nachbar Klare Sache: Schwörmontag ist das Ulmer Stadtfest. Aber Neu-Ulm gehört seit Jahrzehnten dazu, die Sicherheitskräfte arbeiten grenzübergreifend eng zusammen. Damit gibt es insgesamt mehr Platz zum Feiern, aber es ist auch logistisch wichtig.

Die Lage „Es gibt einen Run auf das Fest auch von bayerischer Seite“, sagt Rainer Finkel von der Polizei Neu-Ulm. Dort muss der Verkehr insbesondere mit Blick auf die Donau geregelt werden, zum Aufbau der Boote: Viele Nabader steigen am Neu-Ulmer Ufer ein.

Die Feiern Gefeiert wird groß auf dem  Schwal sowie am Scharff-Haus mit Kulturbühne. Konsequenz:  Der Uferweg ist zwischen Eisenbahnbrücke und Schubertstraße von Samstagabend (Lichterserenade!) bis Schwörmontag für Radfahrer gesperrt.

Ein Kommentar von Jakob Resch: Fest der Jugend

Einige Jahre lang lag ein schwerer Schatten auf dem Schwörmontagsfest. Mit einer immer größer werdenden Party, mit DJs und der Mega-Location Münsterplatz schien das Stadtfest abzugleiten in reine Lärmerei, Sauferei, Sauerei und andere Unverschämtheiten. Diese Einschätzung war durch eklige Folgen im Stadtbild belegt. Nachhaltig getragen war sie aber von einer staatstragenden Sicht auf das alte Verfassungsfest, gut bürgerlich beleidigt. Das scheint sich erledigt zu haben.

Es hat sich ein nüchterner Blick und die Einsicht in den Wandel der Zeit durchgesetzt. Dieses Signal geht 2016 von der Stadtverwaltung aus, was womöglich auch am neuen Oberbürgermeister liegt. Nicht, dass es eine Kehrtwende gegeben hätte: Bürgerdienste und Polizei haben über Jahre an einem zeitgemäßen Konzept getüftelt. Es muss nicht nur Auswüchse eindämmen speziell zum Schutz der Jugend vor sich selber, sondern vor allem der schieren Masse der Besucher Herr werden. Das hat sich eingespielt.

Die Kunst dabei ist, nicht den Spaß an der Sache zu verlieren und ihn damit anderen zu verderben. Mission erfüllt: 2016 freuen sich Verantwortliche wie Sabine Gauß im Rathaus über immer mehr wilde Nabader, die sogar mit Bussen anreisen. Und wenn da die Themenschiffe untergehen? „Das hat sich jetzt einfach gewandelt.“ 2016 freut man sich über eine „supertolle Stimmung in der Stadt“. 2016 freut man sich über Jugendliche aus der ganzen Region (und zum Glück nicht aus der ganzen Welt).

Punkt für Ulm.

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