Ulm Schwörmontag: Bindertanz untermalt Schwörrede

Ulm / LISA-MARIA SPORRER 15.07.2016
Alle vier Jahre schmückt der Bindertanz den Veranstaltungsreigen in der Schwörwoche. Der Tanz kommt auch beim Nachwuchs an.

Mit roten Kniehosen, weißen Hemden mit roten Bändeln am Arm und den weißen Zopfperücken tanzen die Paare um ihren Zunftmeister herum, der auf dem 120 Liter-Fass steht. Während der Fassroller mit Hammer und Setze im Takt der Musik den Fassreifen festklopft, schwingt der Meister auf dem Fass einen weiteren Fassreifen über seinem Kopf. „Das ist Tradition seit ich denken kann“, sagt Karl Faßnacht, Meister auf dem Fass und Obermeister der Küferinnung seit 27 Jahren. Er ist der letzte seiner Zunft, der bei dem traditionellen Bindertanz mitmacht. Lediglich drei Betriebe gebe es noch in der Region.

Nachwuchssorgen macht er sich trotzdem nicht. Mittlerweile tanzen eben die Kinder, Verwandte und Bekannte mit. „Wenn ich die alle vier Jahre anschreibe, freuen sie sich immer, wieder mitmachen zu können“, sagt Faßnacht. Denn: Im Vier-Jahres-Turnus wird der Reiftanz seit 1968 aufgeführt, im Wechsel mit dem ebenfalls alle vier Jahre stattfindenden Fischerstechen. Und auch die als Stadtsoldaten verkleideten Wiblinger Musiker spielen seit 1964 für die Tänzer, die vor den Aufführungen in der Schwörwoche fleißig ihre Choreografie üben. Andreas Hafner und Winfried Buchele studieren sie mit den Tänzern ein, etwa zehn Termine setzen sie dafür an. Beide stammen aus alten Küferfamilien, beide üben andere Berufe aus.

Der Tanz, bei dem die Binder in einer Prozession einmarschieren, ist jedes Mal der selbe. Dem Fahnenträger folgen die Binderbuben, sie tragen die überdimensional gestalteten Zunftinsignien Schlegel, Driesel (Werkzeug zum Festklopfen der Fassreifen) und Bütsch (Kanne). Auch zwei Bindermädchen begleiten die Tänzer, sie tragen weingefüllte Zinnkannen. „Wir haben dieses Jahr sechs neue Tänzer“, sagt Faßnacht. Und neue Binderkinder, so wie das Bindermädchen Masha (9) und ihren drei Jahre älterer Bruder Tom.

Am meisten freut sich Masha auf die Aufführung nach der Schwörmontagsrede. Da wird es dann richtig voll, sagt sie. „Das ist toll, dass es auch der Jugend Spaß macht. Denn eigentlich ist es ja schwierig, Jugendliche davon zu überzeugen, bei was Traditionellem mitzumachen“, sagt Ralf Peter, der zusammen mit einem weiteren jungen Mann den Narren spielt. Während die Tänzer mit ihren halbkreisförmigen, mit grünen Zweigen verzierten Girlanden munter tanzen, sorgen die beiden Narren im Publikum für Klamauk. Große Probleme hat Peter damit nicht, schließlich kommt er aus der Ulmer Narrenzunft. Der Reiftanz ist in Ulm bereits im Jahr 1551 überliefert, damals wurde zur Fastnachtszeit getanzt. Die Bindergesellen haben den Reiftanz aber erst 1745 für sich entdeckt und damit eine Ulmer Tradition begründet. Deshalb findet er auch in der Schwörwoche statt. „Ihr könnt machen, was ihr wollt; aber der Bindertanz muss weiterlaufen“, erinnert sich Faßnacht an die Worte des Alt-OBs Ivo Gönner. Und das haben sie auch vor. „Wir sind doch eine große Familie“, sagt Faßnacht. 

Auch zur Schwörfeier am Montag gibt es einen Bindertanz. Aller Informationen zum Ulmer Feiertag finden Sie hier: www.swp.de/3924582

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