Ulm Schwörformel in Person: Alt-OB Ivo Gönner ist Ehrenbürger

Ulm / JAKOB RESCH 18.07.2016
Ivo Gönner stand an Schwörmontag noch mal im Mittelpunkt. Der Altoberbürgermeister ist jetzt Ehrenbürger.

Ivo Gönner hielt am Montag keine Schwörrede. Er war selbst ein Teil davon. Im Februar als Ulmer Oberbürgermeister ausgeschieden, hat ihn sein Nachfolger Gunter Czisch auf dem Weinhof vom Schwörbalkon herunter für seine „offene, stets ansprechbare, im besten Sinne volkstümliche Art“ gewürdigt, mit der er die Ulmer für sich eingenommen habe: „Ivo Gönner verkörperte geradezu den gemeinen Mann unserer Schwörformel.“ Applaus, Applaus.

Gönner selbst saß in der zweiten Reihe im Volk, als Privatmann erstmals mit Strohhut ausgestattet. Am Ende stand er dann aber doch noch mal im Mittelpunkt einer Schwörfeier, bekam er doch über die Dankesworte hinaus das Ehrenbürgerrecht verliehen für sein „großartiges Schaffen“ (Czisch) zur Entwicklung der Stadt.  Im Urkundentext<span style="display: none;"> </span> steht das etwas ausführlicher, und klar, kommt da einiges zusammen bei einem Mann, der 24 Jahre an der Spitze der Stadt stand und noch einige Jahre mehr kommunalpolitisch aktiv war:

Gönner, der als Förderer der Wissenschaftsstadt und des Wirtschaftsstandorts einen unverzichtbaren Beitrag für die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit Ulms geleistet hat. Gönner, der als Präsident des Rats der Donaustädte die Weichen für eine engere europäische Zusammenarbeit gestellt hat. Gönner, der als Präsident des baden-württembergischen Städtetags unermüdlich für die kommunale Selbstverwaltung gestritten hat. Gönner, der die Internationale Stadt initiiert hat. Gönner, der die Ulmer Bürgerstiftung gegründet hat. Und, Achtung, ganz große Weihen: Gönner, „der für die Versöhnung der Völker in Ulm wie auch entlang der Donau steht“. Das gab – aber hallo – noch mal stehende Ovationen von der auf dem Weinhof versammelten Bürgerschaft.

Und der so Geehrte selbst? Freute sich auf einen „kräftigen Schluck Wein“ beim Rathausempfang. Naja, er freute sich natürlich auch noch mehr in seiner gewohnt saloppen Weise: „Das Ehrenbürgerrrecht verliehen zu bekommen, das ist einfach eine besondere Ehre. Punkt. Aus. Ende.“ Im Übrigen hat er es auf der Schwörfeier genossen, nicht mehr oben zu stehen, sondern der Schwörrede unten lauschen zu können. Dass er am Montag mit dabei war, hatte mit der Ehrenbürgerwürde übrigens gewissermaßen nur nebensächlich zu tun, wie er zu verstehen gibt: „Ich gehe wie jeder gute Bürger zur Schwörfeier. Das ist eine bürgerschaftliche Pflicht.“ Und so werde er es auch in den kommenden Jahren halten, „in welchem Alter, in welchem Zustand und in welcher Verfassung auch immer“.

Den weiteren Tag hat er am Montag im Familien- und Freundeskreis verbracht, wobei es nicht in die Donau ging. „Ein wilder Nabader war ich Anfang der 70er Jahre.“ Zum Nabada wollte er „am Ufer entlangschlendern“, soweit das für einen Ehrenbürger in drangvoller Enge möglich ist, zum Ausklang in die Au und ein bisschen durch die Stadt. „Und wenn ich genug habe, gehe ich heim.“

Wenn es nicht Schwörmontag ist, widmet sich der 64-Jährige jetzt wieder seinem erlernten Beruf, in der europaweit vertretenen Rechtsanwaltskanzlei Derra, Meyer & Partner „bei meinem alten Freund Hans-Jörg Derra“, selbst jahrelang SPD-Stadtrat in Ulm. Was Gönner da als einer unter 46 Beratern genau macht? „Fälle, die mich besonders interessieren.“ Also Strafsachen. Und Compliance. Also Regeltreue oder „anständiges Verhalten in Firmen und Einrichtungen“, wie er selbst dazu sagt. „Ich habe nach 25 Jahren mein verkürztes erstes Ausbildungsjahr gut hinter mich gebracht.“

Am Montag im Rathaus hat sich Guido Wolf als Vertreter der Landesregierung dann in seinem Grußwort mit Blick auf den „frisch gebackenen Ehrenbürger“ gefragt, wer denn nun für das schöne Schwörmontagswetter verantwortlich sei: „Der alte oder der neue Oberbürgermeister?“ Ivo Gönner postwendend: „Der neue.“ Das war’s.

Alle Infos rund um den Ulmer Stadtfeiertag gibt es hier.

 

Nummer 28

Ehrenbürger Ivo Gönner ist der 28. Ehrenbürger der Stadt Ulm seit 1863, wie Sabine Gauß von den Zentralen Diensten der Stadt vorrechnet. Unter den lebenden ist außer ihm nur noch sein Vorgänger im Oberbürgermeisteramt Ernst Ludwig, der am Montag auch auf der Schwörfeier war.

Zu den Ehrenbürgern zählen alle Stadtoberhäuter: Hans Lorenser, Theodor Pfizer, Emil Schwamberger, Heinrich Wagner, Karl Heim. Ehrenbürger jüngerer Zeit sind Wolfgang Eychmüller, Inge Aicher-Scholl, Rosa Lorenser, Karl Eychmüller und Ludwig Erhard. Zuletzt verstorben ist im März Lothar Späth.

Zu finden sind in der Liste auch Hindenburg, Zeppelin, Bismarck und Personen, die mit dem Münster (Vollender August Beyer) und der Bundesfestung (Erbauer Freiherr von Prittwitz) zu tun haben. Für ungültig erklärt wurde nach dem Krieg die Ehrenbürgerschaft Adolf Hitlers und zweier regionaler Nazis.

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