Ulm Schulentwicklung: Kritik an der "mit heißer Nadel gestickten Schulpolitik"

Ulm / VS 09.12.2013
Drei Gemeinschaftsschulen, die es in Ulm seit September gibt. Betreuungsangebote an Grundschulen, die von zwei Dritteln der Kinder genutzt werden. Das sind zwei Punkte einer Reihe von Veränderungen, die die aktuelle Schulentwicklung prägen.

"Die Dynamik ist beispiellos. Sie bringt alle Beteiligten an ihre Grenzen", sagte Bürgermeisterin Iris Mann in der Sitzung des Gesamtelternbeirats (GEB) der Ulmer Schulen. In die Diskussionen zur regionalen Schulentwicklung fließen alle Punkte ein. Wie beispielsweise auch die geringen Anmeldezahlen der Werkrealschulen. Gerhard Semler, Chef der Abteilung Bildung und Sport, nannte einige Zahlen: Die Übertrittsquoten auf weiterführende Schulen liegen in Ulm bei 56 Prozent aufs Gymnasium, 29 Prozent auf Real-, 8,3 Prozent auf Gemeinschafts- und 6,2 Prozent auf Werkrealschule.

Anders als befürchtet ist, so Semler weiter, die Zahl der Sitzenbleiber "nicht exorbitant in die Höhe gegangen" seit die verbindliche Grundschulempfehlung weggefallen ist. Im vergangenen Schuljahr sind 5,1 Prozent der Fünftklässler an Gymnasien nicht versetzt worden - ähnliche Werte gab es in den Schuljahren 2007/08 und 2008/09. In den Realschulen waren es 1,1 Prozent.

Mit Interesse folgten die Elternvertreter den Ausführungen von Gerhard Schupp. Der Rektor der Berblinger-Gemeinschaftsschule stellte deren pädagogisches Konzept vor. "Die Gemeinschaftsschule versucht, leistungsstarken und leistungsschwachen Schülern gerecht zu werden", sagte er. Daher gelten die Bildungspläne für Gymnasium, Real- und Werkrealschule. Um die Unterschiedlichkeit der Kinder aufzunehmen, ändern sich Lehr- und Lernformen: Durch Wochenplanarbeit wird die Eigenverantwortung der Schüler gestärkt; die Lehrer agieren als Coaches durch individuelle Förderung.

Noten gibt es, wie Schupp sagte, nur auf Wunsch der Eltern (beispielsweise bei Wohnortwechseln). Üblich sind Bewertungen in Worten oder mit einer Grafik. In der Diskussion zeigte sich, dass die Eltern beim Thema Gemeinschaftsschule vieles nicht wissen. Kritik gab es an der "mit heißer Nadel gestrickten Schulpolitik".