Leitartikel Ute Gallbronner über die Situation an Ulmer Schulen. Schulen schweigen

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Autorenfoto © Foto: Könneke Volkmar
Ulm / Ute Gallbronner 08.09.2018

Lehrermangel, Digitalisierung, kaputte Gebäude  – Themen gibt es genug zum Anfang des Schuljahres. Themen, über die man auch in Ulm mit denen gerne reden würde, die Schule täglich erleben. Aber das gestaltet sich zunehmend schwieriger. Beispiel Lehrermangel. Es spricht erst Ministerin Eisenmann, dann das Regierungspräsidium, dann das Schulamt. Verwiesen wird auf offizielle Mitteilungen. Deren Inhalt: In Ulm gibt’s fast keine Probleme, ist in der Sekundarstufe optimal versorgt. Auch der Alb-Donau-Kreis steht gut da.

Aber wenn alles so schön ist, warum finden sich in Elternbriefen Formulierungen wie „Aufgrund der angespannten Lehrerversorgung bitten wir Sie um Verständnis...“ oder „Wir sind bemüht, mit den uns zur Verfügung stehenden Lehrerstunden unser Bestes zu geben.“? Natürlich reagieren manche Eltern übersensibel. Es gibt Stundenausfall, der sich nicht verhindern lässt. Und wenn ein Fünftklässler drei Wochen kein Mathe hat, ist nicht gleich das Abitur gefährdet. Lassen wir unseren Kindern die Freude. Doch die Ausstattung  der Schulen mit Lehrerstunden ist inzwischen derart auf Kante genäht, dass oft die Krankheitsvertretung – sofern es eine gibt – schon am ersten Schultag verplant ist.

Eltern klagen auch über marode Gebäude und kaputte Toiletten. Die Stadt investiert Millionen, aber sie kann nicht alle Gebäude gleichzeitig sanieren und Toiletten nicht so schnell richten, wie Schüler sie zerstören. Je nachdem, wer die Lage schildert, reicht die Einschätzung von „nicht so schlimm“ bis zu „katastrophal“. Eine neutrale Beurteilung fällt schwer.

Unter der Hand klagen Lehrer wie Eltern gleichermaßen. Nur öffentlich sprechen wollen wenige. Bei allem, was nur den Hauch von kritischen Gedanken beinhalten könnte, tauchen fast alle ab. Wohlgemerkt: Es geht nicht um große Skandale, auch nicht um fundamentale Systemkritik. Es geht um alltägliche Dinge. Eltern schweigen, weil sie Angst haben, dass die Noten ihrer Kinder leiden. Lehrer und auch Schulleiter trauen sich nichts mehr zu sagen, ohne den Segen des Schulamts, im Zweifel noch des Regierungspräsidiums, einzuholen.

Mehr Mut der Lehrer und vor allem mehr Vertrauen der Institutionen in die Lehrer –, das wäre gefordert. Schließlich sollen sie junge Menschen zu mündigen Bürgern erziehen. Menschen, die für ihre Überzeugungen eintreten.

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