Handel Schuhaus Siegle schließt nach 128 Jahren

Siegle sagt nach 128 Jahren Servus: Morgen beginnt der Räumungsverkauf.
Siegle sagt nach 128 Jahren Servus: Morgen beginnt der Räumungsverkauf. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm/Söflingen / Christoph Mayer 15.05.2018
Das Schuhhaus Siegle schließt. Der Inhaber sieht die Gründe nicht nur im Strukturwandel. Er kritisiert auch die Stadt.

Man kann mit Fug und Recht von einer Institution sprechen: Seit 1890 gibt es in Söflingen das Schuhgeschäft Siegle, seit 100 Jahren logiert es am jetzigen Standort in einem markanten Altbau an der Ecke Söflinger Straße/Magirusstraße.

Doch die Tage des inhabergeführten Einzelhandelsgeschäfts sind gezählt. Plakate an der Fassade künden davon. Am Donnerstag beginnt der „Räumungsverkauf wegen  Geschäftsaufgabe“. Im Juni oder spätestens im Juli werde er den Laden schließen, sagt Michael Ratter auf Anfrage. Der Inhaber des Schuhhauses Ratter in der Innenstadt führt das elterliche Geschäft seiner Mutter Doris Ratter, geborene Siegle, seit 25 Jahren als Filiale.

Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, sagt Ratter. „Da ist viel Wehmut  dabei.“ Letztlich sei ihm jedoch nichts anderes übrig geblieben. Als Gründe führt der Geschäftsmann „geänderte Einkaufsgewohnheiten“  und „die verschlechterte Erreichbarkeit des Standorts für Autofahrer“ an.

In einem Schreiben an seine Kunden wird Ratter deutlicher. „Es gibt wegen der Wohnverdichtung im Areal zur Andienung der Geschäfte, Praxen und Gewerbetreibenden immer weniger Parkplätze“, heißt es dort. Mit dem Start zur Neubebauung des ehemaligen Gummi-Welz-Areals würden demnächst dann auch noch die Parkplätze der benachbarten Apotheke wegfallen.

In diesem Zusammenhang kritisiert Ratter die Stadtplaner, die seiner Meinung nach „realitätsferne Entscheidungen“ getroffen haben. „Man möchte quartiersnahe Geschäfte, macht sich aber nur wenig Gedanken, wie diese von Kunden besucht werden können, wenn sie nicht zu Fuß, mit der Straßenbahn oder dem Fahrrad kommen.“ Resignieren werde er deshalb nicht, sagt Ratter. „Im Gegenteil. In unserem Unternehmen herrscht sogar Aufbruchstimmung.“  Künftig werde man sich eben verstärkt auf das Haupthaus in der Platzgasse konzentrieren und das Online-Geschäft weiter ausbauen.

Arbeitsplätze werden durch die Schließung nicht verlorengehen. Ratter zufolge werden die beiden Siegle-Mitarbeiterinnen ins Hauptgeschäft übernommen. Auch das der Inhaberfamilie gehörende Gebäude bleibe erhalten.

Nach der Schließung des Schuhgeschäfts sollen die Geschäftsräume im Erdgeschoss erneut gewerblich vermietet werden. Im ersten Stock – dort ist ebenfalls Verkaufsfläche – entstehen wie in den Obergeschossen eventuell weitere Wohnungen.

150 neue Wohnungen bis 2021

Welz-Areal 150 neue Wohnungen entstehen bis 2021 auf dem ehemaligen Gelände von Gummi Welz. Das zwischen Einstein-, Magirus- und Söflinger Straße gelegene Quartier wird aber kein reines Wohngebiet. Vorgesehen ist auch Gewerbe – aber keines, das Lärm und Dreck macht, sondern Büros, Arztpraxen  oder eine Bäckerei. Im Innern des Viertels ist eine Kindertagesstätte vorgesehen.

Mix Anvisiert ist ein Mix aus 60 Prozent Wohnungen für dann etwa 350 Bewohner und 40 Prozent Gewerbe. Baubeginn soll noch in diesem Sommer sein,  veranschlagt ist eine Bauzeit von drei Jahren.

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