„Ich bin arbeitslos und hab keine Chance hier aufzusteigen“, sagte Gerhard Schmid. Der Lehrer des Schubart-Gymnasiums kam gerade aus dem Arbeitsamt, wo er Euros gegen Schubis eingetauscht hatte, denn seit Tagen hat sich die Ulmer Schule umorganisiert. Nicht mehr die Lehrer haben dort das Sagen, im demokratischen Staat „El Schubador“ bestimmen vielmehr die Schüler das Schulleben.

„Alle Klassenverbände und Hierarchien wurden aufgelöst und die Leitung des Geschehens von der vorher gewählten Regierung übernommen“, sagte Elias Ankerhold, der sich gemeinsam mit Schülern der SMV bereits im Frühjahr an die Planungen für die Projekttage machte. Im Sommer hatten sie dann auch die Lehrerschaft überzeugt, die nun in dem neuen Staat an der Schule nur Angestellten-Tätigkeiten übernehmen konnte. „Wir versuchen in allen Bereichen, einen möglichst realistischen Staat abzubilden“, sagte Ankerhold. Und so gab es neben dem Parlament, Gerichtshöfen, Finanz- und Arbeitsministerien auch Casinos, eine Blind-Date-Veranstaltung, diverse Gastronomie-Betriebe, eine Blumenlounge und eine eigene Live-Radiosendung, die durch die Flure der Schule schallte.

„Eben hat eine Freundin von mir hier auf dem Standesamt geheiratet“, sagte Marcia Frank, und außerdem zwei Kumpels von ihr. „Bei uns geht die Homo-Ehe“, meinte die Zehntklässlerin.

Auch eine eigene Währung haben die Schüler eingeführt, die Schubis. Nur damit könne man auch einkaufen in El Schubador, dem Staat, für den man sich am Eingang der Schule ein Visum erwerben muss.

„Eigentlich haben wir das Event schon seit anderthalb Jahren in der Planung“, berichtete die 16-jährige Marcia Frank, die an der Schule gleichzeitig die Schülersprecherin ist. Die Organisation sei nämlich ausgesprochen komplex gewesen und habe letztendlich auch nur mit Hilfe der Verbindungslehrer funktioniert.

Einer von ihnen, Lars-Benja Braasch, zeigte sich begeistert von der Umsetzung. „Da ist man einfach überwältigt von dieser Kreativität der Schüler“, sagte er. Jeder habe seine Aufgabe im Staat, erläuterte er, während hinter ihm gerade ein Schüler von der virtuellen Polizei verhaftet wurde.

Und von der fünften bis zur zwölften Klasse hätten sich die Kinder und Jugendlichen sehr engagiert, was die Ausgestaltung etwa ihrer Betriebe angehe. „Es sind wichtige Erfahrungen, die bei dem Projekt von jedem einzelnen gesammelt werden können“, sagte Marcia Frank: Umgang mit Geld, Steuern und Pflichten, aber auch Eigenverantwortlichkeit und die Organisation etwa von Theateraufführungen.

Eine Sache musste sich der Staat allerdings von den Lehrern vorschreiben lassen: Am Samstag ist Schulpflicht. Von 10 bis 16 Uhr können dann auch interessierte Außenstehende in das Staatsleben eintauchen.

Und das sei wichtig, um die Staatskassen zu füllen, sagte Marcia Frank. Denn nur durch Spenden konnte das Schubart-Großprojekt überhaupt finanziert werden.