Das Land befindet sich im Aufbau. Immer noch. Denn auch über 20 Jahre nach dem Bürgerkrieg lebt Mosambik in der Angst vor einer erneuten drohenden Auseinandersetzung um die Gasfelder und die reichen Mineralvorkommen im Land. Die Kinder des Krieges, der 1977 begann, sind heute erwachsen. Und viele von ihnen leben von nicht einmal zwei US-Dollar pro Tag. Dafür arbeiten sie meist den ganzen Tag auf Feldern. Denn eins haben sie nicht gelernt: lesen und schreiben. 80 Prozent ihrer Kinder besuchen eine Schule und das sollen die Eltern jetzt auch.

Allerdings können die Erwachsenen lediglich abends lernen und dafür fehlt die Beleuchtung in den Schulen. Bereits vor vier Jahren hatte sich deshalb die Ulmer Regionalgruppe von Ingenieure ohne Grenzen in das Ostafrikanische Land aufgemacht, um Licht in die Schulen zu bringen. „Wir sind mit fertigen Leuchtsystemen angereist, haben sie installiert und nicht bedacht, dass diese Lampen natürlich auch nicht ewig leuchten“, sagt Simon Clark von Ingenieure ohne Grenzen. „Viel klüger ist es doch, wenn wir nicht nur das Material liefern, sondern gleich die ganze Idee, inklusive Bauanleitung.“

Die Idee, das ist eine einfach herzustellende LED-Leiste und ein Pico-Solarsystem, für das kein Stromnetz notwendig ist. Wie das funktionieren kann zeigte eine Klasse der Robert-Bosch-Schule. 75 selbst hergestellte Holzplatinen hatten die Ingenieure dafür in die Ulmer Schule mitgebracht. In die vorgebohrten Löcher der kleinen Holzbrettchen schlugen die Schüler erst Reisnägel, statteten sie mit Löt-Tupfern aus, brachten die Anschlussdrähte an und anschließend die LED-Lampen. 20 Schüler hatten für diesen technisch anspruchsvollen Vorgang nur eineinhalb Stunden Zeit. Geschlossen hatte sich die Klasse aber freiwillig gemeldet, solange Überstunden zu machen, bis alle LED-Leisten fertig sind.

Sie seien stolz, sagte der Zehnt-Klässler Jakob Hermann, Teil eines Projekts zu sein, das nachhaltig die Voraussetzungen für Bildung garantiere. In Zusammenarbeit mit Associacao Progresso, der Partnerorganisation in Mosambik, werden die Ulmer Ingenieure ohne Grenzen ab Anfang November für drei bis fünf Wochen in die armen, ländlichen Regionen des krisengebeutelten Landes reisen und Workshops geben, wie die Bevölkerung selbständig und kostengünstig eben diese LED-Lampen selber herstellen kann. In sieben Schulen werden dann gemeinsam diese Leuchten mit Hilfe von Pico Solarsystemen installiert. Clark ist über die Mithilfe der Schüler sehr dankbar: „Mit dabei haben wir dann diesmal die 75 schon fertigen Exemplare aus der Bosch-Schule.“