Während die meisten noch schlafen, läuft die Kaffeemaschine im Südwestrundfunk-Studio auf Hochtouren. Das News-Team bereitet sich auf die Nachrichten um 5.30 Uhr vor. Von 6 bis 8 Uhr ist Primetime, also die Zeit mit den meisten Zuhörern. Deutlich später, um 9 Uhr, beginnt der Arbeitstag von Studioleiter Ulrich Andelfinger. Sein Büro ist ein großer Raum mit Glasfront, von welchem man direkt auf die Hirschstraße blickt. Auf dem Schreibtisch liegen viele Unterlagen, unter anderem eine Premieren-Einladung des Theaters Ulm.

"Ich wollte eigentlich Rockstar werden", sagt Andelfinger auf die Frage nach seinem ursprünglichen Berufswunsch. Während seines Studiums fand er jedoch die Liebe zum Journalismus. Er half, einen privaten Radiosender aufzubauen. Später wechselte er von Radio 7 zum SWR, weil dort "intensiver journalistisch gearbeitet" werden könne. Um überhaupt hier arbeiten zu dürfen, wird ein Studium oder ein Volontariat benötigt. Andelfinger kümmert sich vor allem um Personalführung, den Etat, PR und Marketing.

Im Laufe des Morgens kommt Leben in den SWR-Ulm-Sitz, zu welchem zwei kleine Nachrichten-, ein großes Hörfunk- und ein Fernsehstudio gehören. Insgesamt 38 Mitarbeiter zählt das Studio Ulm. Darunter sind auch viele, ältere und junge, Mediengestalter und Toningenieure. Diese erledigen ganz verschiedene Aufgaben. Letztere beispielsweise kümmern sich um die Bestückung einzelner Stunden mit Musik. Dabei gehen sie nach der "deutsch-orientiert-melodischen" Musikfarbe DOM vor, und eine Radiouhr mit ihrer ganz individuellen Dramatik, welche den Hörer emotional durch den Tag führt, kommt zustande. Neben der Musik werden Beiträge eingespielt, die vorab aufgenommen und von Technikern zusammengeschnitten werden. Die Titel sind auf Musikfiles gespeichert.

Andere Mitarbeiter sind für die Technik verantwortlich. Damit in dem eigentlichen Studio Stille herrscht und genug Platz ist, sind die Computer in einen Nebenraum ausgelagert. Dort sind mehrere Reihen mit Schränken voller Kabel, in denen die ganze Technik fast keinen Platz mehr hat. Im Studio stehen überall moderne Computer und andere elektronische Geräte.

Der SWR hat hohe laufende Kosten. Deshalb stehe der Sender immer unter Legitimationsdruck gegenüber der Öffentlichkeit, da man gewisse Zuhörerquoten erreichen müsse, um die Rundfunkgebühren zu rechtfertigen: "Quote ist nicht alles, aber ohne Quote ist alles nichts", lautet die Devise des Studioleiters. Im Moment hat der SWR keine Probleme mit den Zuhörerzahlen, da bundesweit täglich knapp 1,5 Millionen Menschen den Sender hören. Gesendet wird regional, von Ellwangen bis Biberach und Riedlingen bis Burgau, wie auch überregional, etwa für die Schweiz.

Doch "viele wissen gar nicht, dass wir hier sind". Deshalb ist es ein Ziel von Andelfinger, sein SWR-Studio bekannter zu machen. Außerdem will er die Kooperation mit Bayern fördern. Trotz der Verantwortung der SWR-Mitarbeiter für das Programm sagt Andelfinger: "Wir operieren nicht am offenen Herzen." Selbst ein kurzer Programmausfall sei nicht schlimm. Bei einem Stromausfall sorgt eine große Not-Batterie für Strom.

Studioleiter Andelfinger beschäftigt zurzeit etwas ganz anderes. Das seit der Flüchtlingsfrage stärker gewordene negative Feedback verlange immer öfter Rechtfertigungen. Darunter seien regelrechte Hass-Mails oder Vorwürfe wie "Ihr lügt ja", "Lügenpresse", "Ihr berichtet nicht ausgewogen und objektiv". Der SWR-Ulm begegne den Flüchtlingen auf seine Art. So gab es zum Beispiel im Januar einen Neujahrsempfang für Flüchtlinge und mit Flüchtlingen. Andelfinger und seine Journalisten hinterlassen einen offenen und freundlichen Eindruck, den sie auch auf ihr Programm übertragen.

Schubart-Gymnasium, 9a