Schwörmontag 2018 Schrottdienstag: Der Morgen nach Schwörmontag

Am Dienstagmorgen türmt sich entlang der Donau der Müll des Schwörmontags.
Am Dienstagmorgen türmt sich entlang der Donau der Müll des Schwörmontags. © Foto: Tobias Knaack
Ulm / Tobias Knaack 24.07.2018
Die Party in Ulm und Neu-Ulm ist vorbei, das große Aufräumen beginnt. Ein Rundgang durch die Stadt und entlang der Donau.

Sie wirkt ermattet, die Luftmatratze. Neben einer dahintreibenden Sektflasche ist sie die letzte Nabaderin des Schwörmontags 2018. Die, die am Montag auf ihr oder ihren Kolleginnen, auf Schlauchbooten, Einhörnern, Enten oder Flamingos beim Nabada die Donau hinunterschipperten, sind entweder schon lange im Bett oder nach einer langen Partynacht gerade mit einem der ersten Züge des noch frühen Morgens unterwegs nach Hause.

Um 4.30 Uhr ist der Bahnsteig 7 Nord am Ulmer Hauptbahnhof voll, als wäre gerade Rush Hour im Berufsverkehr. Viele Schwörmontags-Feiernde wollen den Zug in Richtung Aalen nehmen. Es ist nach mehr als drei Stunden Betriebspause der erste Zug, der wieder fährt. Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn stehen in gelben Westen gut sichtbar am Bahnsteig, gefordert sind sie aber nicht. Die Wartenden sind entweder müde oder noch fröhlich-euphorisch. Da tut auch die zehnminütige Verspätung der Regionalbahn der Stimmung keinen Abbruch. Ein leichter Kontrast zur Stimmung um ein Uhr nachts, als rund um den Bahnhof einige alkoholisch-aggressive Menschen unterwegs waren.

Beliebt sind Tickets und Backwaren

In der Bahnhofshalle selbst liegen, sitzen, stehen noch viele Schwörmontags-Besucher aus dem Ulmer Umland. Besonders beliebt: Tickets für die Heimfahrt sowie die Tatsache, dass ein SB-Bäcker bereits geöffnet hat. Vor den DB-Automaten und in dem Shop bilden sich lange Schlangen.

Vor dem Eingang zum Hauptbahnhof wie an vielen Ecken der Stadt, ganz gleich ob Hafengasse, Münsterplatz, Hirschstraße oder Lautenberg: Müll. Flaschen, Plastikbecher, Scherben. Der bestimmende Soundteppich des noch jungen Tages: Das Klirren einer bewusst oder unbewusst getretenen Glasflasche auf Asphalt oder der Klang, berstenden Plastiks unter Schuhsohlen. Knack, krach, klirr. Knack, krach, klirr.

Die EBU kämpfen sich vor

Entlang der Donau hat einer der Aufräumtrupps der EBU bereits „feucht durchgewischt“. Die Straße glänzt noch im Licht der Straßenlampe. Etwas weiter, im Fischerviertel, herrscht reges Treiben: Gegenüber der „Zill“ baut ein Lkw-Fahrer ab, was am Montag mal ein Tresen gewesen sein dürfte. Beim „Wilden Mann“ wird eine Stahlrohr-Konstruktion im gleißenden Licht eines Scheinwerfers demontiert. Ein EBU-Fahrzeug verleibt sich die zusammengekehrten Haufen Müll ein.

Zurück zur Donau, beziehungsweise an deren Ufer. Das ist der Friedhof der „Gerippe“: kaputte Angelstühle, malade Partyzelte, gebrochene Flaschenhälse. Dazwischen wuseln in orange Mitarbeiter der EBU mit Besen und Müllsäcken, um der Wiese ihr grün wiederzugeben. Ein Einsatzfahrzeug entfernt sich in Richtung Metzgerturm.

Gerippe gegenüber vom Halo

Weiter entlang der Donau in Richtung Friedrichsau wird es noch „gerippiger“, nur sind es nun immer öfters die „Gefährte von gestern“: Platte Luftmatratzen, zerknüllt, zerknickt, was einst prall gefüllt war, liegt nun platt am Rand. Daneben Holzlatten, teils grotesk gesplittert. Und immer wieder Flaschen, Flaschen, Flaschen. Sperrmüll im Sonnenaufgang.

Nach den Flaschen kommen die Fässer: Die waren für Floße verbaut und diese Floße stehen nun gegenüber vom Halo wie kaputte Autos auf einem Schrottplatz auf der Wiese oder dümpeln noch im Wasser. Es ist Schrottdienstag, der Morgen nach Schwörmontag.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel