Schöner scheitern mit den Flugfischen

OTFRIED KÄPPELER 07.05.2012

"Ich möchte schlafen, aber du musst tanzen." Das ungleiche Paar in Storms Gedicht "Hyazinthen" könnte als Motto für den literarischen Abend der Flugfische dienen. Diesmal nahmen sie sich dem hohen Lied des Scheiterns an, dargeboten am Samstagabend im übervollen Café Animo. Wie elegant, formal gestochen und pointiert, ja wie unterhaltsam das Scheitern sein kann, wurde in einem Potpourri aus Texten und Liedern von Theodor Storm, Albert Camus, Oskar Wilde, Daniil Charms oder Karl Kraus bis hin zu Charles Aznavour, Erich Fried und Botho Strauß genüsslich vorgeführt.

Es ist weit mehr als nur ein Rezitieren von Texten, was Karin Probst, Silke Knäpper und Uwe Nepomutzky als die Flughunde bieten. Es ist eine dynamische Abfolge von kleinen Szenen, reduziert bis hin zu einem Aphorismus von Lichtenberg. Wunderbar etwa die Eifersuchtsszene von Charles Bukowski mit Karin Probst und Uwe Nepomutzky: Eng zusammen an der Wand stehend, mit Kissen unterm Kopf, "liegen" die zwei im Bett und vor den Trümmern ihrer Ehe. Oder wenn Silke Knäpper die existentiellen Nöten eines Dichtes mit der Frage auf den Punkt bringt, welches Adjektiv er denn verwenden solle. Dabei wird unter der Hand eine humoristische Schicht in Albert Camus "Die Pest" freigelegt.

Bei weitem nicht nur musikalisch begleitet wurden die Flugfische von Gudrun Roth (Cello) und Michael Weigler (Kontrabass). Sie trugen entscheidend zur Atmosphäre des Abends bei und enthoben die formalen literarischen Elemente rhythmisch-melodiös in die musikalische Abstraktion. Wenn die Darbietung von Jacques Brels/Klaus Hoffmanns Chanson "Bitte geh nicht fort" nicht so ganz gelungen war, darf man das bestimmt nicht den Musikern anlasten. Folgt man dem ganzen Abend, dann ist das Scheitern zwar eine tragische, aber auch eine schöne Sache. Frei nach Hesse: "Und jedem Scheitern wohnt ein Zauber inne."

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