Sabberlodd! Wo bleibt sie denn, die Hillu? „I pass` nimmer ins Häs nei! I bin no im Kleid der Liebe!“ Aha Feiertage, zugenommen? Nach einem Blick hinter den Vorhang lästert Franz: „Das hätsch vorher no biegle könne.“ Und schon ist das beliebte Schwaben-Duo mitten drin in den üblichen Frotzel- und Sticheleien. Ohne Scheu vor Klamauk. Ob als resolute OP-Krankenschwester, als Kind auf der tragikomischen Suche nach einem Papa oder als zoffende Restaurantköche, da bleibt schon anfangs bei dem Doppelpack, der gerne Zuschauer einbindet, kein Auge trocken.

Seit Jahren sind sie Garanten für ausverkaufte Häuser: Hillu’s Herzdropfa. Diese wirken wie eine Lachdroge, wohl dosiert in  Witzen und Geschichten von Hillu Stoll und Franz Auber verabreicht. Jetzt präsentierten die Träger des Sebastian-Blau-Preises ihr neues, bereits neuntes Programm „Dobblet gmobblet hebt besser“ im Neu-Ulmer Scharff-Haus.

Wegen der großen Nachfrage gab es an diesem Sonntag zwei ausverkaufte Vorstellungen vor insgesamt 1600 Zuschauern. Für die schwäbischen Urgesteine, die aus Schelklingen und Justingen, also „von d’r „Alb ra“, kommen, quasi ein Heimspiel.

Mit Kopftuch und Gummistiefeln

Wie Linsen und Spätzle ergänzen sich die beiden 57-Jährigen, wenn sie flink Rollen und Kostüme wechseln. Gewitzt nehmen sie schwäbische Befindlichkeiten, Hinterfotzigkeit und Geiz, Land- und Stadtleben aufs Korn. Und was sowieso immer bestens zieht, ist der eheliche Kleinkrieg – wenn sie etwa ihr körperliches Übergewicht mit seinem geistigen Untergewicht kontert.

Vor allem als Bauersleut laufen die beiden Älbler zur Hochform auf. Immer schaffig, in Arbeitsschürze, Kopftuch und Gummistiefeln bruddelt und grollt Lena auf ihrem roten Bulldogg.  Die Beißzange zieht alles und jeden durch den Kakao. Im Dauer-Clinch textet sie ihren „lahmarschigen“ Mattheiß zu. Doch der Ehegespons ist auch nicht gerade auf die Gosch gefallen und Konzert deftig und heftig.

Stadtfein im Sonntagshäs reisen die Zwei per Bus nach Stuttgart zum Volksfest „bei de Heckescheißer und Feinstaubhuschter“. Etwas klamaukig treibt Bäuerin Lena in der Schuhgeschäft-Szene die Sprachbarriere mit dem hochdeutsch sprechenden smarten Verkäufer auf die Spitze. Ein richtiger Kracher mit teils zweideutigen Pointen gelingt den beiden Comedians als gestiefelte Motorradbräute im Mini-Kleid und Lederjacke. Wie sich die beiden aufgebrezelten Tussies ganz crazy mit Fremdwort-Halbwissen (etwa legiert statt liiert) über die Ständer der Harley-Davidson-Maschinen ihrer Biker-Lover unterhalten, das sorgte für Lachsalven. Nach einem Lied mit dem Mitsingrefrain „im Bett, im Bett“ rezitierte Franz Auber als Dreingabe für den Heimweg noch ein Gedichtle.

Mit dem „Oscar der Mundart“ ausgezeichnet


Sebastian-Blau-Preis In Erinnerung an den Dialektdichter Sebastian Blau alias Josef Eberle vergibt der Verein Schwäbische Mundart seit 2002 alle zwei Jahre den Sebastian-Blau-Preis. 2016 ging dieser „Oscar der Mundart“ an Hillus Herzdropfa – in zwei Kategorien: der mit 2500 Euro dotierten Hauptpreis und der Publikumspreis in Höhe von 500 Euro.