Der Ausbau von Glasfaserverbindungen für schnelle Internet-Anschlüsse auf dem Land stand im Zentrum einer Tagung im Rathaus in Neu-Ulm, Titel: "Schnelle Städte - langsames Land? Status quo und Perspektiven der Breitbandversorgung." Für Aufmerksamkeit sorgte in dem Kontext das neue Fördermodell in Bayern mit einem anfänglichen Volumen von 500 Millionen Euro. Es dient nach den Worten von Jürgen Busse vom bayerischen Gemeindetag vor allem dazu, Firmen im ländlichen Raum einen Internet-Anschluss mit hoher Geschwindigkeit zu ermöglichen. Als "Nebeneffekt" könnten Privathaushalte im Umfeld von Gewerbegebieten profitieren. Der Ausbau sei eine "Zukunftsfrage" für den Freistaat.

Der Neu-Ulmer Oberbürgermeister Gerold Noerenberg konnte die Debatte entspannt verfolgen, weil in Ulm und Neu-Ulm die Stadtwerke mit ihrer Tochter Telenet den Glasfaserausbau vorantreiben. Noerenberg lobte die Telenet für ihre Ausbauaktivitäten, durch die man den Bürgern eine leistungsfähige Infrastruktur mit Breitbandkabel anbieten könne: "Die Telenet ist ein Problemlöser."Mit Blick auf die zuletzt vom Satkom-Spezialisten Level 421 geäußerte Kritik, Telenet und Telekom verhinderten mit ihrer Dominanz die Investitionen anderer Glasfaseranbieter, sagte Noerenberg: "Wir haben keinen anderen Player gefunden." Das kontroverse Thema Wlan-Hotspots müsse allerdings separat betrachtet werden. Level 421 hat sich, wie berichtet, beim Regierungspräsidium Tübingen beschwert, dass die Stadt Ulm den Aufbau von Internet-Zugangspunkten per Funk in der City freihändig an die Telenet vergeben wollte.

Franz Habbel vom Deutschen Städte- und Gemeindebund steht auf dem Standpunkt, freies Wlan für alle könne zur Linderung der Probleme beim Internetzugang beitragen. Die Breitband-Versorgung in Deutschland hinke bisher anderen Ländern hinterher. Ulrich Adams von der Telekom kündigte allerdings an, der Konzern investiere weitere sechs Milliarden Euro in den Glasfaser-Ausbau. Ende 2018 sollen dann alle Deutschen über einen 50-Mbit-Anschluss verfügen. Dies entspreche auch dem Trend zur "Cloud". Bei der Versorgung dünn besiedelter und somit unwirtschaftlicher Gebiete sollen Fördermittel wie in Bayern helfen.