Neu-Ulm Schminken ist ihr Geschäft

CHIRIN KOLB 11.08.2012
Kataloge, Werbekampagnen, Auftritte vor der Kamera - wo es Models zu schminken und zu frisieren gilt, ist Jutta Schmid am Werk. Zu ihren Auftraggebern reist die Neu-Ulmerin mit großem Gepäck.

Am liebsten mag es Jutta Schmid natürlich: Geschminkte Gesichter, die gar nicht geschminkt aussehen. Sie kann aber auch anders. Ganz anders. Matt schimmernde Lippen in Beerentönen, dunkel und geheimnisvoll umrahmte Augen, dramatisch aufgetürmte Haare - für die 45-Jährige kein Problem. Sie macht, was der Kunde will. Und manchmal das, was ihr selbst gefällt. Das sind ihre schönsten Aufträge.

Jutta Schmid arbeitet als Make-up- und Hair-Artist. "Schminkwerk" hat sie ihre Firma genannt. Sie schminkt und frisiert Models für Kataloge, Werbekampagnen, Firmenbroschüren, Sed-Cards, mit denen sich Models bewerben, und auch für Filmaufnahmen. Für ihre Aufträge ist sie in ganz Süddeutschland unterwegs und auch darüber hinaus. Sie akquiriert ihre Kunden selbst, wird aber meist zusammen mit dem jeweiligen Fotografen gebucht. "Die Fotografen bieten mich mit an", sagt Jutta Schmid. Sie arbeitet häufig mit dem selben, zum Beispiel mit Horst Eifert. Mit ihm hat sie am Hotel Lago in der Friedrichsau Aufnahmen für eine Kampagne von Walter Feuchts Backmittelfirma Uldo gemacht - mit Starkoch Eckart Witzigmann.

Jutta Schmid hat schon "Germanys next Top-Model" Alisar geschminkt, die Stars des FC Bayern und die Ulmer Soul-Sängerin Siyou für die Werbekampagne der Stadtwerke. Einer ihrer Stammkunden ist der Bader-Versand.

Als Make-up-Artist muss Jutta Schmid flexibel sein, oft wird sie kurzfristig für Jobs gebucht. Dann schnappt sie ihr Gepäck und macht sich auf die Reise zum Kunden. Im Untergeschoss ihres Hauses in Burlafingen, wo sie mit ihrem Mann, einem selbstständigen Malermeister, und ihren Zwillingen lebt, steht immer alles parat, was sie braucht: zwei Trolleys und zwei Rucksäcke, jeweils einer für die Haar- und die Make-up-Utensilien, eine Tasche für Pinsel und andere Gerätschaften, die sie nach jedem Auftrag sauber machen muss, ein höhenverstellbarer Klappstuhl, der ihr und vor allem ihrem Rücken das Schminken und Frisieren erleichtert, ein transportabler Spiegel mit Tageslichtröhre, und im Sommer noch eine Kühltasche für hitzeempfindliche Cremes, Lidschatten und Lippenstifte. Alle Utensilien lagern griffbereit und nach Themen geordnet in Schubfächern der Spezial-Trolleys.

Ihr liebstes Arbeitsgerät ist eine Airbrush-Düse. Damit sprüht sie Make-up auf. Das hat viele Vorteile, sagt Jutta Schmid: "Das Make-up wird hauchdünn und liegt nicht wie eine Schicht auf der Haut. Das Hautbild wirkt natürlich, das Make-up deckt ab und gibt trotzdem einen transparenten Look, bei dem man noch jede Pore sieht. Airbrush ist für mich unverzichtbar." Für Lidschatten und Rouge greift sie dann aber zu ihrem Pinsel-Sortiment.

Für ein Make-up braucht sie zwischen einer halben und einer dreiviertel Stunde, für die Haare nochmal so lang. Bisweilen hat sie aber deutlich weniger Zeit. "Die Fotografen sind manchmal ungeduldig. Sie wollen nach zehn Minuten ein Model haben." Dann gibt Jutta Schmid Gas. Bei den Frisuren zum Beispiel: "Für ein Shooting müssen Frisuren meist nicht lang halten. Da ist es egal, wies hinten aussieht." Auf das Bild hin zu arbeiten, findet sie faszinierend. Auch wenn es manchmal einen halben Tag dauert, bis dieses eine Bild geschossen ist.

Bei manchen Aufträgen weiß Jutta Schmid schon vorher, was gewünscht ist. Die Auftraggeber machen klare Vorgaben, was Make-up, Frisuren, Beleuchtung angeht. Manchmal kommt sie aber auch an und weiß gar nichts. Wird Sportbekleidung fotografiert oder Wintermode? "Dann muss man spontan und blitzschnell sein und sofort Ideen liefern."

Diese Art zu arbeiten gefällt ihr. Selbstständig sein und dennoch Kollegen haben, daheim arbeiten und immer wieder für zwei, drei Tage verreisen, Büroarbeit erledigen und kreativ sein - "das ist das, was ich eigentlich immer wollte". Jutta Schmid ist gelernte Drogistin. Sie arbeitete in der Kosmetikbranche, war Filialleiterin, bekam ihre Kinder, wechselte in verschiedene Bürotätigkeiten und entdeckte eher zufällig ihre Leidenschaft für Make-up: Sie ließ sich in einer Drogerie professionell schminken und fand das großartig. Sie besuchte in München eine Schule für Make-up-Artists und machte sich vor drei Jahren selbstständig.

Das Einzige, an das sich Jutta Schmid gewöhnen musste: gelassen zu bleiben in der Zeit zwischen zwei Aufträgen, nicht ängstlich auf den nächsten Kunden zu warten. "Ich musste lernen, die Zeit zwischen den Shootings für mich zu nutzen und zu genießen." Mittlerweile, sagt sie und nippt in ihrem Wintergarten an ihrem Mineralwasser, gelingt ihr das aber gut.