Ranking Schlechte Noten für Glacis-Galerie

Neu-Ulm / EDWIN RUSCHITZKA 28.09.2016
Die Glacis-Galerie genießt unter den eigenen Händlern einen katastrophalen Ruf und erhält schlechte Noten. Jetzt soll es ein neuer Center-Manager richten.

Schlechter waren nur die Neumarkt-Arkaden in Meißen und die Königshof-Galerie in Mettmann bei Düsseldorf, mit Noten von 4,60 und 4,89. Die Neu-Ulmer Glacis-Galerie ist im aktuellen deutschlandweiten Ranking des „Shoppingcenter Performance Report“ (SCPR) der Unternehmensberatung Ecosta aus Wiesbaden auf dem drittletzten Platz deutlich abgewatscht worden – und das mit einer Note von 4,50.

Die 5,00 wäre die schlechteste Note gewesen, aber die hat keines der insgesamt 269 miteinander verglichenen Einkaufszentren erhalten. An dieser Stelle sei erwähnt, dass das Blautalcenter in Ulm mit einer Note von 3,27 auf Platz 198 rangiert – was deutlich besser als die Glacis-Galerie, aber dennoch alles andere als ein Spitzenwert ist.

Die Ergebnisse wurden in der Immobilienzeitung veröffentlicht. Sie haben deshalb eine hohe Aussagekraft, weil nicht etwa Kunden befragt worden sind, sondern die Mieter, also die Händler selbst wie sie ihre Wirtschaftskraft vor Ort einschätzen. Verglichen wurden republikweit Einkaufscenter mit mehr als 10 000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Und nur jene kamen in die Wertung, in denen sich mehr als fünf Mieter an der Umfrage beteiligt haben.

Diese Mieter mussten auch in drei der in Frage kommenden 400 Einkaufszentren vertreten sein. In Neu-Ulm waren es 14 Mieter. Für Joachim Will, den Chef der Unternehmensberatung Ecosta ist klar: „Die Glacis-Galerie hätte an dieser Stelle nie gebaut werden dürfen.“ So wird er jedenfalls in der Immobilienzeitung zitiert, neben der Textilwirtschaft ein Medienpartner von Ecosta. Wills Meinung zufolge wird Neu-Ulm als Einkaufsstadt niemals aus dem Schatten Ulms heraustreten können – Glacis-Galerie hin oder her.

Bei den Betreibern der Glacis-Galerie, der ECE aus Hamburg,  ist das schlechte Ranking angekommen. Man hatte allerdings schon ein paar Wochen zuvor auf die schlechte Stimmung in der Glacis-Galerie reagiert und den nunmehr dritten Center-Manager nach der Eröffnung im März vergangenen Jahres eingestellt. Auf Alexandru Gavriliu folgte im Dezember 2015 Sabine Friedrich. Sie wurde jetzt von Tim Mayer abgelöst, der bei der ECE als eine Art Krisenmanager gilt und das Einkaufszentrum in Basel auf den Vordermann gebracht hat.

Ihm soll es gelingen, den Ruf der Glacis-Galerie zu verbessern und endlich auch die seit Anbeginn leerstehenden elf Ladenflächen (40 bis 200 Quadratmeter) zu vermieten. Zu den Leerständen zählen jetzt auch noch die insolventen Modeketten Zero und Marc Picard und im Food-Court ein Döner-Geschäft. Diese sind schon ausgezogen. Letztendlich geht es aber darum, mehr Käufer in das Einkaufszentrum zu locken. Denn Besucher kommen einige, wie der verkaufsoffene Sonntag am 4. September gezeigt hat. Aber viele Verkäuferinnen und Verkäufer sagen, dass die Besucher nur durch die Galerie schlendern, aber nicht groß einkaufen würden.

Tim Mayer hat sich einiges vorgenommen, denn er misst dem Ranking schon einen hohen Stellwert zu. Sein erstes Fazit: „Die Glacis-Galerie ist immer noch nicht so richtig in Neu-Ulm angekommen. Mit der fehlenden Etablierung haben wir zu kämpfen.“ Das habe auch CBRE erkannt. Der Dienstleister im Auftrag des Rentenfonds, dem die Galerie gehört, werde im nächsten Jahr mehr Geld zur Verfügung stellen – für Werbung und für Aktionen, mit denen Kunden angelockt werden. So wird am 8. Oktober der „Shoppingstar“ zusammen mit dem Entertainer Ross Anthony gesucht.

Aber auch die Ausstattung im Inneren soll verbessert werden. „Wir haben wenig Sitzgelegenheiten im Center, das deshalb auch ein wenig emotionslos und leer wirkt.“ An der Möblierung werde bereits gearbeitet. Das Konzept soll im November präsentiert werden. Der Babywickelraum soll besser ausgestattet werden, es gibt schon mehr Spielräume für Kinder. Die Toiletten bleiben aber gebührenpflichtig, weil dafür ein externes Unternehmen zuständig ist. Wobei manche Geschäfte die 50 Cent übernehmen. Auch am Gebäude selbst soll sich etwas ändern: Es wird bei vielen Zugängen von außen automatische Schiebetüren geben, um die Galerie barrierefrei und so behinderten- und familienfreundlicher zu machen.

Zur Person: Tim Mayer

Karriere Berlin, Basel, Hamburg. Und jetzt Neu-Ulm. Das sind bislang die Stationen von Tim Mayer in Diensten der ECE Projektmanagement in Hamburg, die auch die Glacis-Galerie betreut. Und das im Auftrag der Frankfurter CBRE, einem Dienstleistungsunternehmen auf dem gewerblichen Immobiliensektor. Die Galerie selbst wurde von den Investoren, der Procom und der Hessischen Landesbank, an einen holländischen Rentenfonds verkauft. Mayer ist 32 Jahre alt, verheiratet, er wohnt im Moment in einem Neu-Ulmer Hotel und in Hamburg, wo die Ehefrau und die elf Monate alte Tochter leben. Die Familie ist auf Wohnungssuche, wahrscheinlich in Köln. Mayer, der in Dinslaken geboren ist, hat in Maastricht in Holland Internationales Business studiert und als Abschluss einen Master of Science.

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