Donaufest Rundgang übers Donaufest

Ulm / Bernd Rindle 11.07.2018
Die Küche vom Balkan ist deftig. Davon kann man sich auf dem Donaufest an vielen Ständen überzeugen.  Ein Rundgang.

Alle reden vom Mundgeruch – wir haben ihn!“ Als Peter Gruber den Schlag Ayvar auf dem Cevapcici-Fladen (5,50 Euro) seiner Frau Jutta entdeckte, war er sich darüber im Klaren, was aromatisch auf ihn zukommen wird. Nicht, dass der altgediente Ulmer Jazz-Schlagzeuger nicht zu kontern wusste – mit einer serbischen Bohnensuppe (4 Euro). Joi, Joi Mama, an Stoffwechselprozessen hat die Balkanküche auf dem Donaufest einiges zu bieten.

Sogar Doraden (10 Euro). Die kommen zwar nicht aus der Donau, dafür gibt’s die an der Donau. Wenn man Zeit hat, die man neben dem Hunger vor allem am Wochenende mitbringen sollte. Dann kann es des Andrangs wegen zum Rückfall in vergangene Zeiten kommen, als man hinter dem Eisernen Vorhang für Nahrung nicht selten vergebens Schlange stehen musste.

Wer eine biologische Überraschung erleben will, muss auf die Ulmer Seite zu Adrian Didovic. Dessen Makrelen (mit Beilagen 13 Euro) „kommen aus der Donau…äh, also schwammen in der Donau“ und stammen eigentlich „vom Großhändler“. Groß ist ihm am Stand alles, nicht zuletzt der Stand selbst mit überdachter Terrasse, den sein Vater „in Kroatien bauen ließ“. Auch der Grill ist von opulenten Ausmaßen, weil Didovic dort ganze Tiere zubereiten lässt: Spanferkel vom Spieß (mit Beilage 13 Euro). Nicht zuletzt kommt selbst dem Verdauungsschnaps ein größeres Gebinde zu: Der Slivovic (2 Euro) lagert in einem Fass.

Eisernes Tor im Magen

Einer, der bereits an einem anderen Stand nähere Bekanntschaft mit geistigen Getränken von donauabwärts gemacht hat, ist „Manne“ aus Lonsee, der heilfroh war, dass der kroatische Rotwein auf „zehn Grad runtergekühlt war, anders kannst du ihn nicht trinken.“ Was ihn aber nicht davon abhalten konnte, „bulgarischem Cognac“ zuzusprechen. Seitdem führt er ihn als alkoholisches Gegenstück zu einem Raubüberfall: „Den Geschmack kannst du nicht beschreiben, hat viel Kräuter und ordentlich Alkohol, aber mit einem Cognac nichts zu tun.“

Wobei so ein „Kurzer“ schon gute Dienste leisten könnte, denn beim Versuch, sich auf dem Donaufest durchzufuttern, bricht sich spätestens nach der der Hälfte der 36 Imbiss- und Getränkestände das Gefühl Bahn, als läge einem das Eiserne Tor im Magen. Was nicht zwangsläufig am Hähnchenhodengulasch, habhaften Langoschfladen und herzhaften Dünnete liegen muss, sondern schlicht an der aufgenommenen Menge, weil man im Spannungsfeld der diversen unterschiedlichen Düfte allem widerstehen kann, nur nicht der Versuchung.

Und wer kann schon ahnen, dass aus Szeged nicht nur ein Gulasch sondern auch eine Fischsuppe (10 Euro) kommt. Küchenwissen reicht die Dame vom Budapester Grill gratis über die Theke. „Szegediner Gulasch ist eigentlich eine Suppe. Was Sie als Gulasch kennen, heißt bei uns Pörkölt.“ Ihr „Szegler-Gulasch“ (6,90 Euro) hingegen besteht aus Schweinefleisch und Kraut, ist aber keine Suppe.

Ein wenig donauabwärts, in Rumänien, geht’s nomenklatorisch weniger genau zu. Christina Modjesch, in Hermannstadt gebürtig, lässt gerade in einer gigantischen Pfanne „Wurst und Schwein“ nebst reichlicher Gewürze schmoren. Was nach einer Kochzeit „von rund vier Stunden“ dabei rauskommt, „ist so ähnlich wie Gulasch“, sagt sie. Und auf dem Preisniveau liegt auch das Gericht, wobei sie noch weitere rumänische Schmankerl anbietet, etwa Polenta mit Käse und anderen Toppings.

Süßes aus Transsylvanien

Wo man in Transsylvanien vorzugsweise hineinbeißt, wissen Jonny Cimpoia, der aus Graf Draculas Ecke kommt, und Criss Möller. Was die beiden auftischen ist nicht etwa blutig, sondern süß und gilt als die Festtagsspeise aus dem südöstlichen Siebenbürgen: Baumstriezel! „Wie immer geht das auf eine kluge Frau zurück“, erinnert Criss Möller an die Erfindung einer Bäuerin, deren Dorf voller Siebenbürger Sachsen von Rumänen einst umzingelt und ausgehungert werden sollte. Sie erfand einen Hefeteig, der über dem Feuer geröstet wurde.

Was beim Donaufest allerorten gegrillt wird, ist die Paprikawurst (zumeist 4 Euro). Worauf es bei der ankommt, weiß einer, der aus Beimerstetten kommt und sich von Berufswegen mit Gewürzen auskennt: „Der richtige Paprika ist das A und O“, verrät Tom Schlotter – nicht zu vergessen gutes Fleisch, macht er, der Metzger von der Initiative „Ulmer Land“, deutlich.

Viel Konkurrenz für den Stand, der auf dem Festgelände wie in der Diaspora steht und vegane Produkte verkauft. Neben allen fleischlichen Angeboten ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Und das hat seinen Preis: Die „Seitan-Wurst mit Röstzwiebel und Salat kostet 6,90 Euro. Dafür gibt’s das 0,2-l-Glas „Wellnesswasser“ für nur einen Euro, wenn man bedenkt, dass das Wasser durch spezielle Steine vorher „energetisiert“ wurde. Energie finden und sie möglicherweise gegen später auch wieder verlieren kann man am Cocktailstand, der erstmals auf dem Donaufest vertreten ist. Neben diversen Ginsorten bietet Hariolf Sproll selbstgemachte Limonaden und Tonic-Varianten an. Und er ist voll des Lobs für die Standortpolitik der Donaufestorganisatoren: „Das Weindorf hat sich als gute Idee herausgestellt und auch der Standort ist ideal“, freut sich der Barkeeper über die Randlage ohne überbordendes Gedränge.Und wer es gratis hätte und den einen oder anderen Rachenputzer nicht scheut, sollte unverbindlich an einem Kroaten-Stand vorbeischauen, falls deren Nationalteam ins WM-Finale einzieht.

Brücken-Frühstück

Begegnung Premiere hatte das Donau-Brücken-Frühstück 2016. Am Sonntag wird die Herdbrücke zum zweiten Mal zum Ort der kulinarischen Begegnung. Mit selbst gebackenen Broten, selbstgemachten Aufstrichen, Gesprächen und vielem mehr.

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