Ulm / Christian Kern  Uhr
Die Tumulte in Ulm am vergangenen Samstag werfen Fragen auf. Wie konnte es gleich drei Mal in Folge zu heftigen Schlägereien kommen? Und: Haben die Beamten richtig gehandelt?

Auf den ersten Blick scheinen die Fakten klar zu sein: In der Ulmer Innenstadt kam es am vergangenen Samstagabend gleich drei Mal zu Schlägereien zwischen zwei Männergruppen. Dabei wurde ein 21-Jähriger mit einer Flasche niedergeschlagen und so schwer verletzt, dass er ins Krankenhaus musste. Die Polizei nahm sieben Personen fest, mindestens 14 sollen an dem Konflikt beteiligt gewesen sein. Der Fall scheint klar, wirft allerdings doch weitere Fragen auf. Die Wichtigste: Hätte die Polizei die Eskalation des Konflikts verhindern können?

Am Samstagabend musste die Polizei in Ulm zu einem Einsatz ausrücken. An der Haltestelle Steinerne Brücke hatte es offenbar eine Auseinandersetzung mehrerer Personen gegeben.

Mehrere Männer festgenommen

Schließlich hatten die Beamten bereits nach der ersten Schlägerei am Metzgerturm drei mutmaßlich Beteiligte festgenommen. Nach kurzem Aufenthalt auf dem Polizeirevier wurden die Männer jedoch wieder freigelassen. Wenig später kam es zur zweiten Auseinandersetzung an der Bushaltestelle „Steinerne Brücke“, bei der der 21-Jährige verletzt wurde. Das Opfer zählte zu den Männern, die die Polizei kurz zuvor festgenommen hatte.

Trotzdem wiederholten sich die Ereignisse: Wieder nahmen die Beamten einige Männer fest, wieder brachten sie die Verdächtigen auf die Dienststelle – und wieder ließen sie die Männer nach kurzer Zeit gehen. So trafen die beiden Gruppen schließlich in der Glöcklerstraße zum dritten Mal aufeinander.

Rechtliche Situation schwierig

Warum hat die Polizei nicht rigoroser durchgegriffen und die Täter in Gewahrsam genommen? Das sei rechtlich nicht möglich gewesen, sagt Pressesprecher Holger Fink. Das Problem: Eine solche „freiheitsentziehende Maßnahme“ ist nur bei einem triftigen Grund möglich. „In diesem Fall haben die Kollegen das als nicht zweckmäßig erachtet“, sagt Fink. Außerdem haben die Ordnungshüter erst nach der zweiten Festnahme erkannt, dass zwischen den Einsätzen eine Verbindung besteht. Allerdings will sich die Polizei nun intern  mit dem Fall beschäftigen. Denn nach der dritten Prügelei änderte Polizei ihre Taktik, sprach Platzverweise aus und überwachte die Situation konsequent. Danach blieb die Lage ruhig. Deswegen wollen sie besprechen, ob das nicht früher möglich gewesen wäre.

Unterdessen ermittelt die Polizei weiter gegen die Beteiligten. Sie leitete ein Strafverfahren wegen Landfriedensbruchs ein. Der Hintergrund des Konflikts ist weiter unklar. Möglich sei, dass die zweite Schlägerei ein Racheakt war.

Das könnte dich auch interessieren:

In der Nacht zum Sonntag wurde im Neu-Ulmer Stadtteil Pfuhl ein junger Mann überfahren. Der Unfallverursacher flüchtetet, konnte aber gefasst werden.

Am Standort Steinhäule verlieren elf Mitarbeiter aus dem Bereich Kunststoff ihren Job.