Konzert Scherer-Ensemble singt sich in die Herzen der Zuhörer

Ulm / Burkhard Schäfer 18.07.2017
Acht Meistersinger rocken das Schwörhaus Das Scherer-Ensemble überzeugt mit einem fulminantem Konzert.

Auf einen herzlichen Applaus am Ende des Konzerts hatte sich das Scherer-Ensemble sicherlich gefreut – mit dieser schier nicht enden wollenden Begeisterung samt hochverdienten Bravo-Rufen hatten die neun Musiker aber offensichtlich nicht gerechnet. Was war geschehen? Das Ensemble hatte mit dem „Frau Minne und die Ulmer Meistersänger“ betitelten Konzert schlicht ins Schwarze getroffen und sich vor allem mit Wilhelm Tschirchs Kantate „Die letzten Meistersänger in Ulm“ von 1867 vollends in die Herzen der Zuhörer gesungen.

Zudem hätten die bestens disponierten Mannen den Zeitpunkt (Abend des Fischerstechens) und Ort (Schwörhaus) ihrer ebenso lehrreichen wie kurzweiligen Darbietung nicht passender wählen können. Wie so oft bei den „Ausgrabungen“ von Ensemble-Leiter und -Gründer Thomas Müller war es auch im Falle Tschirch letztlich nicht die rein musikalische Qualität der Kantate, die das  Publikum in den Bann schlug. Dieses hoch patriotische Werk nach einem Text von Julius Sturm, das die Schlüsselübergabe der zu Ende gehenden Tradition der Ulmer Meistersinger in die Hände der neuen, jungen Sängergeneration schildert, ist stellenweise sogar unfreiwillig komisch – was von den Musikern nicht etwa kaschiert, sondern vielmehr lustvoll in Szene gesetzt wurde. Vor allem bei den pompösen Schlussversen „Und unser Lied soll euch erklingen, zu Lob und Ehr‘ dem Vaterland.“

Themen der Romantik

Wie unpompös ein originaler Meistersang klingt, machten Müller (Bariton) und Albrecht Schmid (Klavier) am Beispiel von Johann Faulhabers „Gesanges Kunst“ aus dem frühen 17. Jahrhundert deutlich – größer hätte der Kontrast zum darauf folgenden Tschirch kaum sein können.

Die erste Konzerthälfte hatte ganz im Zeichen des 19. Jahrhunderts und den Ulmer Komponisten Wilhelm Speidel und Eugen Haile gestanden. Vor allem der gebürtige Söflinger Speidel war eine wichtige Figur im Musikleben. Und wie viele seiner Mitstreiter ließ auch er sich inspirieren von den Themen, die in der Romantik en vogue waren: Minnesang, Mittelalter, Mondlicht, Wald und Wanderlust. In Liedern wie „Frau Minne“, „Waldnacht“ und – kompositorisch vielleicht am überzeugendsten – „Der Fahrende Musikant“ (Haile) kam dies zum Ausdruck. Thomas Müllers wie immer kundige Moderation sorgte für die musikhistorische Einordnung des Gehörten. „Wer braucht da noch die ‚Aida‘ auf der Wilhelmsburg?“ kommentierte er mit trockenem Humor eine Tenor­einlage von Joung-Woon Lee. An diesem Abend niemand!

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