Schavan Schavans Wechsel in den Vatikan: Ohne jede Schamfrist

Die ehemalige Bildungsministerin Schavan geht nach Rom.
Die ehemalige Bildungsministerin Schavan geht nach Rom. © Foto: EPA
Ulm / HANS-ULI THIERER 03.02.2014
Annette Schavans Abschied aus Berlin ohne jede Schamfrist – gewiss bedingt, weil der Botschafterposten am Heiligen Stuhl jetzt und nicht x-beliebig frei wird – beschädigt das Bild der Politik weiter. Ein Kommentar von Hans-Uli Thierer

Überraschend kommt der  Rückzug Annette Schavans aus dem Bundesta<span style="display: none;"> </span>g nicht. Ihre Ankündigung vor Wochen, sich auf einen neuen Lebensabschnitt vorzubereiten, klang kryptisch, war aber in Wirklichkeit glasklar. Zurück lassen wird sie eine – allem wohlfeil zur Schau getragenen Verständnis Partei-Altvorderer zum Trotz – bitter enttäuschte Parteibasis.

Schließlich hatten die Granden vor Jahresfrist alle Hebel in Bewegung und die Mitglieder regelrecht unter Psychodruck gesetzt, um der wegen ihrer Doktorarbeit unter Beobachtung stehenden damaligen Ministerin eine gute Nominierung für den Bundestag zu bescheren. Eine Demonstration der Geschlossenheit wurde es dann: 95,5 Prozent bedeuteten angesichts der Plagiatsaffäre für die keineswegs heiß und innig geliebte Schavan mehr als einen Vertrauensbeweis.

Und jetzt? Was ist die Moral von der Geschicht’? Schavan wechselt nach Rom und signalisiert entgegen allen Beteuerungen nach ihrem Rücktritt vom Ministeramt damit, dass sie sich zu Höherem berufen fühlt als zur gewöhnlichen Abgeordneten. Zu fein fürs harte Brot auf den harten hinteren Bundestagsbänken? So wird diese Entscheidung ankommen beim Fußvolk. Die mit politischen Talenten in Stadt und Kreis nicht übermäßig gesegnete CDU steht erstmals seit 1949 ohne direkt gewählten Abgeordneten da, der Ehinger Heinz Wiese ist über die Landesliste gewählt. Und was will Ulm vom Nachrücker aus Leutkirch erwarten? Für die stärkste politische Kraft in der Region ein Desaster.

Der Abschied aus Berlin ohne jede Schamfrist – gewiss bedingt, weil der Botschafterposten am Heiligen Stuhl jetzt und nicht x-beliebig frei wird – beschädigt das Bild der Politik weiter. Die Öffentlichkeit hat – siehe Pofalla, siehe von Klaeden, Schröder, Koch, siehe Postengeschacher nach jedem Regierungswechsel, egal welcher Couleur – mehr und mehr den Eindruck, dass der Politikbetrieb funktioniert als Perpetuum mobile einer sich selber durchfütternden Versorgungsmaschinerie.

Bei aller Enttäuschung: Schavans Rückzug aus der Politik ist ein doppelter Verlust. Ihre Intellektualität und Analysefähigkeit haben sich abgehoben von der zunehmenden Verflachung. Sie war Motor maßgeblicher Projekte in der Region wie Bahn-Neubaustrecke und Wissenschaftsstadt. Annette Schavan gab Impulse, ohne sich in den Vordergrund zu spielen, was angenehm, aber auch dem Umstand geschuldet war, dass sie sich nicht Lobbypolitik für ihren Wahlkreis vorhalten lassen wollte. Jetzt ist ihr Image beschädigt.