Ulm Scala-Verträge: Sparkasse Ulm lässt Kunden im Unklaren

Ulm / REGINA FRANK 11.12.2013
Die Sparkasse Ulm lässt ihre Scala-Kunden im Nebel stochern - auch noch kurz vor dem 15. Dezember. Bis dahin können sie auf Alternativen umstellen. Die Bank will sich erst danach ausführlich äußern.

Zwei Arbeitstage vor Ablauf der Umstellungsfrist für die Scala-Verträge am Sonntag ist noch nicht klar, wie die Sparkasse Ulm agieren wird. Es gibt reihenweise offene Fragen, das Kreditinstitut hüllt sich diesbezüglich allerdings in Schweigen: Was passiert am Montag, am Tag nach Ablauf der Frist? Spricht die Sparkasse die ersten Kündigungen aus? Oder verschiebt sie dies mit Rücksicht auf die Vorweihnachtszeit aufs Neue Jahr? Verlängert die Sparkasse die Frist zum Umsteigen auf Alternativprodukte noch einmal? Wenn ein Scala-Vertrag seitens der Sparkasse gekündigt würde, was hieße das konkret für den Kunden? Dass er das Guthaben auf ein anderes Konto ausgezahlt bekommt? Könnte er weiterhin monatliche Raten auf das Scala-Sparbuch einzahlen? Stellen viele Scala-Kunden im letzten Moment noch auf Alternativ-Verträge um?

Auf diese und weitere Fragen, die wir gestellt haben, möchte die Sparkasse Ulm nicht antworten – jedenfalls nicht zum jetzigen Zeitpunkt, lässt sie ihren Sprecher Boris Fazzini mitteilen. Nach Ablauf der Umstellfrist, also am Montag, sei die Sparkasse bereit, sich umfänglich zu äußern.

Die offizielle Stellungnahme war die: Kunden und Sparkasse würden seit 160 Jahren ein gutes Verhältnis pflegen. Diese Substanz müsse gesichert werden. Aufgrund der Scala-Verträge habe die Bank eine neue Balance herstellen müssen – dies einvernehmlich mit den Kunden. Die Berater seien in den Gesprächen äußert erfolgreich gewesen. Man sei dankbar, dass so viele Kunden Alternativangebote angenommen hätten und dafür aufgeschlossen gewesen seien (Zahlen werden keine genannt). Für die Sparkasse sei das ein Beweis, dass sie ein gutes Verhältnis zu ihren Kunden habe. Man hege die Hoffnung, eine Kündigung vermeiden zu können.

Die Sparkasse Ulm schloss zwischen 1993 und 2005 langfristige Sparverträge mit gestaffelten Bonuszinsen bis 3,75 Prozent ab, mit äußerst flexiblen Konditionen für die 20.000 Scala-Kunden (sie können Raten steigern oder senken und ihrerseits jederzeit das Guthaben kündigen – dies bei einem steigenden Zinssatz).

In der aktuellen, anhaltenden Niedrigzinsphase erwiesen sich die Scala-Verträge für die Sparkasse als unvorteilhaft. Das Kreditinstitut bietet deshalb den Umstieg in alternative Sparverträge an. Zunächst wurde dafür eine Frist bis Ende September gesetzt. Sie wurde verlängert bis 15. Dezember.

„Die Kunden fühlen sich erpresst“, sagt Finanzexperte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, „sie werden aufgrund einer Drohkulisse in Alternativen gedrängt“. Im Raum stehe die Drohung, den Scala-Vertrag zu kündigen.

Nach Auffassung der Verbraucherzentrale würde die Sparkasse ohne konkrete Rechtsgrundlage kündigen. Kündigt sie nicht, kommt sie laut Nauhauser gegenüber jenen Kunden in Erklärungsnot, die bereits umgestellt haben. Sie seien schließlich davon ausgegangen, dass ihnen andernfalls gekündigt wird. Am besten wäre es, wenn die Sparkasse alles rückgängig machen würde, meint der Finanzexperte. Sprich: Die Sparkasse verzichtet auf Kündigungen, und sie lässt Kunden, die auf Alternativen umgestellt haben, zurückwechseln in ihre alten Verträge.

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