Ulm SBU 20 Jahre unter Dirigent Douglas Bostock

Ulm / ULRICH SCHNEIDER-ALLGAIER 19.04.2016
Das Sinfonische Blasorchester Ulm zeigt im Einsteinsaaal seine Klasse - unter anderem mit drei Solisten und zwei deutschen Erstaufführungen.

Es war die klassische Notsituation: Douglas Bostock kam 1996, als das Sinfonische Blasorchester Ulm (SBU) nach dem Tod Kreso Pascuttinis plötzlich ohne Dirigent dastand. Aus dem Aushilfsjob sind 20 Jahre geworden, und Musiker wie Dirigent wissen die langjährige Zusammenarbeit nach wie vor zu schätzen. Der bescheidene Jubilar betont, mit viel Freude er nach wie vor mit den Ulmern arbeite.

Zeitgenössische Originalkompositionen stehen dabei im Mittelpunkt, und das garantiert stets neue, im Wortsinn "unerhörte" Klangerlebnisse. Talente aus der früheren Ulmer Knabenmusik, Musikstudenten, Profis und sehr gute Amateure aus der Region haben sich unter der Regie des Engländers vom Bodensee zu einem sehr schönen und gut eingespielten Klangkörper gemausert. So klingt es durchaus glaubhaft, wenn Bostock versichert, ein umfangreiches Konzertprogramm, wie jetzt mit dem Schwerpunkt England, könne an zwei oder drei intensiven Probenwochenenden zur Aufführungsreife gebracht werden. Natürlich nur dank professioneller, äußerst sorgfältiger Vorbereitung aller Beteiligten und der einen oder anderen Registerprobe vorab.

So bietet das SBU Konzert-Business auf hohem Niveau, denn gerade die adäquate Realisierung zeitgenössischer Musik erfordert neben der Beherrschung des Instruments von allen Beteiligten ein hohes Maß an Disziplin und Einfühlungsvermögen. Am frühen Sonntagabend gelang es im CCU etwa Solisten wie Claudia Braun (Piccolo), Stefanie Groner (Flöte) und Alexander Weltin (Oboe), großartige Leistungen abzurufen - über den ganzen Abend hinweg. Was auf keinen Fall bedeutet, dass die Kollegen nur zweitklassig gewesen wären.

Einzig das Trompetenregister verdient eine sachte Kritik: An den wenigen Stellen, wo es einmal aus dem Tutti-Sound hätte heraustreten sollen, kam nicht allzu viel. Nicht Glanz und nicht Geschmetter. Mehr Mut in der Zukunft!

In gleich zwei deutschen Erstaufführungen waren der japanische Marimbaphon-Spieler Ryuhei Sunaga als Gast und seine Kollegen Schlagwerker wie immer eine Bank - gerade so wie deren langjährige Chefaushilfe Douglas Bostock. Das begeistert applaudierende Publikum wurde mit "Tubagold" (Solist Armin Schaer), schwungvollen Seemannsliedern von Ralph Vaughan Williams und Percy Graingers "Country Gardens" belohnt.

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