Bis zum Jahr 2022 soll die Sanierung des Dichterviertels abgeschlossen sein. Es werden dort 800 neue Wohnungen sowie eine Kita entstehen. Außerdem soll in den nächsten Jahren nach den Plänen der Sanierungstreuhand Ulm (SAN) mit ihrem Leiter Dirk Feil das Straßenbild im Quartier hinter dem Bahnhof attraktiver gestaltet werden.

Anfänge sind schon gemacht. So ist vergangenes Jahr der Quartiersgarten in direkter Nachbarschaft zur Blauringhalle und dem Böblinger Turm entstanden. Dort gedeihen im Sommer Gemüse und insektenfreundliche Blumen in Hochbeeten, die von Anwohnern gepflegt werden. An der Ecke Garten-/Marner-Walk-Straße ist das Café Blau eingerichtet worden, das sich inzwischen als Quartierstreff im Ulmer Dichterviertel etabliert hat: „Der Mittagstisch ist sehr gut und günstig“, weiß Feil. Auch Mitarbeiter des Landratsamtes fänden sich dort ein. Betrieben wird das Café von Ehrenamtlichen um die AG West und das Café Canapé.

Direkt an der Blau geht es in diesem Jahr weiter. „Das Café bekommt eine Terrasse, und am Ufer der Blau werden Sitzflächen geschaffen. Der Fluss soll erlebbar werden“, erklärt der Leiter der SAN. Weiter vorne in der Gartenstraße, Richtung Schubart-Gymnasium, wird die kleine Fußgängerbrücke abgerissen. „Eine neue wird auf Höhe der Goethestraße gebaut.“

Die jetzige sei baufällig, eine Sanierung komme nicht in Frage. Beides soll etwa im Spätsommer umgesetzt werden. Geplant, aber noch nicht beschlossen, sei zudem, dass die Gartenstraße verkehrsberuhigt gestaltet wird. „Es soll keinen Unterschied mehr zwischen Fuß-und Fahrweg geben und die vorhandenen Parkplätze werden neu angeordnet“, beschreibt es Feil.

Lage hat sich beruhigt

Auch das Kulturzentrum Gleis 44 in der Schillerstraße trägt zur Belebung des Quartiers bei. Hier finden neben Konzerten, Flohmärkten und vielen anderen Veranstaltungen auch Yogakurse statt. Drei Jahre lang läuft die Gestattungserklärung der Stadt. Das Quantum an Veranstaltungen und die mitunter damit einhergehende Lautstärke hat nicht allen gefallen: Die Nachbarn beschwerten sich. „Inzwischen hat sich die Lage aber beruhigt“, sagt Feil.

Auch Richtung Norden hat sich etwas getan. „Die Häuser und Kleinbauten in der Mörikestraße sind abgerissen. Nur noch ein Privathaus steht dort, und rechts vom Hotel Leonardo sind ebenfalls Gebäude in privater Hand“, sagt Feil. Die Stadt versuche die Eigentümer zum Verkauf zu bewegen. „Es ist ansonsten schwer, einen Investor zu finden.“

Die Abrissfläche ist geschottert und wird als Parkplatz genutzt, bis der Weg frei ist für neue Projekte. Nutzen würden ihn Pendler. Und auch die Baufirma, die hinter dem neuen Hotel Leonardo die Grube für ein neues Gebäude ausgehoben hat, brauche die Fläche für ihre Baumaschinen. Gemeint ist Proinvest (Rainer Staiger), die dort 111 Mietapartments für vorübergehend in Ulm beruflich tätige Menschen sowie 59 seniorengerechte Wohnungen baut. „Jetzt geht es in die Höhe“, sagt Feil. In einem Jahr werde das Gebäude sicher fertig sein. In der Nachbarschaft erstellen die Ulmer Wohnungsbaugesellschaften UWS und Heimstätte ein Haus mit Wohnungen, Gewerbe und einer Kita, sagt Feil.

Vonovia soll Wohnhäuser sanieren

In Zusammenhang mit einer städtebaulichen Veränderung an dieser Stelle stehen auch die grün angestrichenen Gebäude in der Mörikestraße. Sie gehören seit 2016 dem börsennotierten Wohnungsunternehmen Vonovia und sind nach Aussage der Stadt sanierungsbedürftig. „Gemeinderatsbeschluss ist, dass die zwei eng zum Hotel hin stehenden Gebäude abgerissen werden und städtebaulich etwas Neues entsteht“, sagt Baubürgermeister Tim von Winning auf Anfrage. Und schön wäre natürlich, wenn die Vonovia auch die restlichen Häuser ansprechend saniere – so sollte etwa der Hof zur Adenauerbrücke geschlossen werden. Dann werde die Stadt die Rampe, die vom Blaubeurer Ring in die Schillerstraße führt, nach Norden verlegen.

Aber: Die Stadt könne einen privaten Eigentümer zu nichts zwingen. Und bislang habe die Vonovia keinerlei Pläne vorgelegt. „Es herrscht Funkstille.“ Das Sanierungsprojekt des Dichterviertels laufe 2022 aus. „Bis da hin gibt es noch Fördermittel.“

Das könnte dich auch interessieren:

Das Ziel der Sanierung


Pläne: Anvisiert von der Stadt im Dichterviertel ist Wohnraum für rund 1600 Menschen in 800 neu zu bauenden Wohnungen, die Revitalisierung brachliegender Areale, die Schaffung neuer Plätze sowie die Aufwertung des Glacis-Gürtels und den Bau neuer Rad- und Fußwegeverbindungen.