Mit dem Kajak durch die Ägäis? Und dann auch noch eine Frau? Die meisten Fischer, die auf Beutefang zwischen den griechischen Inseln unterwegs waren, wollten ihren Augen nicht recht trauen, als sie Sandy Robson begegneten. Aber der 45-jährigen Australierin war es voller Ernst: Sie würde mit ihrem Kajak die Ägäis durchqueren, und nicht nur das. Ihr Weg wird sie weiter führen an der türkischen Küste entlang, an der iranischen, der indischen, durch die indonesischen Inseln, bis sie zurück in ihrer Heimat Australien ist. 15 000 Kilometer wird sie zurückgelegt haben.

Aufgebrochen ist Robson im vergangenen Jahr in Ulm. Warum man gerade dort eine Tour beginnt, die um die halbe Welt führt? Vor 80 Jahren ist der Ulmer Oskar Speck ebenfalls mit dem Kajak Richtung Australien aufgebrochen. Auf seine Spuren hat sich Robson nun begeben. Sieben Jahre war Speck unterwegs, sie will es in fünf schaffen. Die ersten 4000 Kilometer, die Donau entlang durch die Ägäis bis Zypern, hat sie nun geschafft. "Es war sehr aufregend", erzählt sie begeistert. "Die Leute dachten, ich sei verrückt!" Etwa die Fischer der Ägäis. "Sie haben mir aber alle geholfen. "

Nur mit zwei Hafenmeistern hat sie sich nicht einigen können: Sie hatten Angst, ihr die Ablege-Erlaubnis zu geben. Zweimal musste Robson daher die Fähre nehmen, einmal von der griechischen zur türkisch Küste und einmal von der Türkei nach Zypern. Nicht gerade unkompliziert, mit einem Kajak im Gepäck. Daher hat sich Robson entschlossen, den Rest der Strecke mit einem Faltboot - ein Kajak, das sich handlich zusammenfalten lässt - zurückzulegen. Sie hat sich auf die Suche nach einem Sponsor für so ein Boot gemacht - und im Ulmer Faltboothersteller "Out-Trade" gefunden. Also ist Robson wieder an den Startpunkt zurückgekehrt, um ihr neues Boot in Empfang zu nehmen.

Voller Vorfreude sieht sie der nächsten Etappe entgegen. Die Erlaubnis, an der iranischen Küste entlang zu paddeln, hat sie erhalten. "Ich habe schon eine Hijab bestellt, das habe ich mir bei den iranischen Olympia-Ruderinnen abgeschaut", erzählt sie lachend. "Man kann ganz gut damit paddeln, das habe ich schon versucht." Im Boot wird sie eine kurze Hose mit Zip-Off-Funktion tragen, wenn sie an Land geht, kann sie einfach die Hosenbeine länger machen.

Ob ihr nicht auch ein bisschen unheimlich ist? "Nein." Robson schüttelt den Kopf, die gute Laune kann man ihr so schnell nicht verderben. "Die Leute hatten schon bei der ersten Etappe Bedenken, aber es hat alles prima geklappt." Ihre Erfahrung: Sobald sie mit den Menschen ins Gespräch kommt, sind alle sehr nett und hilfsbereit. Es sei nie ein Problem gewesen, eine Unterkunft oder einen Platz für ihr Zelt zu finden, das sie im Kajak verstaut mit dabei hat. In Serbien hat sie sogar einen Paddler kennengelernt, der sie auf der nächsten Etappe begleiten wird. In Budapest wollen sich die beiden treffen und dann mit dem Zug gemeinsam durch die Türkei und den Iran fahren, bis zur Küste des Persischen Golfs, sagt Robson. "Oder mal sehen, vielleicht schnallen wir die Boote auf den Rücken eines Esels."