SWP

Der letzte Buchtipp, den Ruth Stiegel aufgezeichnet hat, stammt von Samy Wiltschek von der Kulturbuchhandlung Jastram: "Ein Sonntag auf dem Lande" von Pierre Bost.

"Durch einen glücklichen Zufall können wir dieses Kleinod in Händen halten und einen vergessenen Autor wieder entdecken", sagt Samy Wiltschek und berichtet, dass Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses in Hamburg, nach mehrmaligem Anschauen eines Films von Bertrand Tavernier entdeckte, dass es zu diesem Film eine Romanvorlage aus dem Jahre 1945 gab, die noch nie auf Deutsch erschienen war. Pierre Bost (1901-1975) hatte den feinen kleinen Roman geschrieben. Moritz machte sich ans Übersetzen. Das Buch führt in einen kleinen Ort außerhalb von Paris. Dorthin zog sich Monsieur Ladmiral zurück, ein ehemals erfolgreicher Porträt- und Landschaftsmaler, der jetzt 76 Jahre alt ist. Er leidet darunter, dass er früher nur konventionelle, wenig mutige Bilder gemalt hat. Allerdings finden van Gogh, Cézanne oder die Kubisten auch heute noch wenig Verständnis bei ihm. Abwechslung bringen die Sonntage in sein Leben. Dann kommt Woche für Woche Sohn Gonzague mit Frau und zwei Kindern aus Paris zu Besuch. Man isst, man spaziert, die Kinder spielen.

Es scheint, als sei auch an dem Familiensonntag alles wie immer. Aber dann taucht Irene auf, Monsieur Ladmirals aufmüpfige Tochter. Im Gegensatz zu ihrem bürgerlichen Bruder geht sie unkonventionelle eigene Wege, macht lukrative Geschäfte und lässt sich nicht in die Karten ihres Lebens und Liebeslebens blicken.

"Der Roman, in dem wir die Hitze flirren sehen und die Sonne auf der Haut spüren, wird zum Spiegelbild der Gefühle und Spannungen zwischen den Familienmitgliedern", meint Buchhändler Samy Wiltschek. "Rivalität, Angst, Eifersucht werden spürbar, aber über allem schwebt eine wunderbare Leichtigkeit, oft verbunden mit Witz und Ironie. Ein großes Vergnügen im kleinen Format." rs

Pierre Bost: Ein Sonntag auf dem Lande. Dörlemann Verlag, 158 Seiten, 16.90 Euro.