Schwörmontag 2018 Dentlers Thronrede nicht mehr am Schwörmontag

Ulm / Beate Rose 20.07.2018

Der verstorbene Goldschmied Rudolf Dentler hatte zu Lebzeiten bereits Ende der 1980er Jahre begonnen, aus seiner damaligen Wohnung über der Dentler-Goldschmiede an Schwörmontag seine Weisheiten zu verbreiten. Daraus entstanden sind die Thronreden, für die er immer an Schwörmontag auf jenen Thron stieg, der in fünf Metern Höhe an der Goldschmiede befestigt ist. Nach Dentlers Tod übernahm seine Tochter Ira das Erbe der Thronrede. Nach zehn Jahren war für sie Schluss. In diesem Jahr gibt es zum ersten Mal die Thronrede von unten und das heute, am Samstag. Wie es dazu kam, sagt Ira Dentler (38), Goldschmiedin.

Die Thronrede von unten und nicht am Schwörmontag – würde sich Rudolf Dentler da nicht im Grabe umdrehen?

Ira Dentler: Ich denke nicht. Es ist an der Zeit, etwas Neues zu machen, weil sich der Schwörmontag verändert hat. Mein Vater hat ja auch ständig Neues gemacht. Außerdem verleiht meine Mutter nach wie vor den Dentler-Preis, also bewahren wir Tradition.

Ist es schwer für Sie, aus dem Schatten des Vaters zu treten?

Inzwischen nicht mehr. Man muss seine eigenen Sachen machen und dazu stehen. Er hat die Thronrede nachweislich 20 Jahre gehalten, war um die 60, als er damit begonnen hatte. Ich war 26. Natürlich sind die Themen andere.

Nämlich welche?

Seine waren philosophische Lebensbetrachtungen, schon in der Rückschau auf sein Leben, was manche Leute als anstrengend empfunden haben. Mein Vater wollte ja mal Pfarrer werden, vielleicht war das ein Grund, weswegen er eher predigte. Das konnte ich nicht bieten, das bin ja nicht ich, weil ich nicht so vergeistigt bin. Für meine Reden hatte ich für mich Überschriften gefunden, wie „Miteinander in der Stadt“.

Über kommunalpolitische Themen haben Sie auch gesprochen.

Stimmt. Damals zum Umbau  in der Neuen Straße und dass immer mehr Grünflächen wegkamen. Gerade zu der Rede  hatte ich viel Zustimmung erfahren. Leute kamen auf mich zu und meinten: Das musste mal gesagt werden.

Warum wird es diesmal die Thronrede von unten und am Abend der Lichterserenade geben?

Die Rede zu halten, wurde in den letzten Jahren immer schlimmer. Wir sind hier in der Altstadt von drei Lokalen eingekesselt, die an Schwörmontag nur Bumm-Bumm auf die Leute loslassen. Wenn ich die Wirte gebeten habe, dass sie für die Zeit der Rede bitte die Musik runterdrehen, war das immer Stress. Wir passen mit der Rede, der kleinen Band und der Verleihung des Dentler-Preises nicht mehr zu dem Schwörmontag, wie er jetzt gefeiert wird.

Wie hat sich der Schwörmontag für Sie entwickelt?

Aus dem großen Familienfest für Ulmer, das der Schwörmontag mal war, ist ein riesiges Ramba-Zamba geworden, zu dem vor allem Leute aus dem Umland strömen. Unseren Besuchern gefällt das nicht. Die sind weniger geworden, weil sie nicht mehr durch den Wahnsinn kamen. Mich wundert es ohnehin,  dass niveaulose Saufereien mit solchem Ausmaß so erlaubt sind.

Deswegen sind Sie auf den Samstag gekommen?

Ja, der Abend der Lichterserenade ist ruhiger. Wir denken, dass wir dazu besser passen.

Erwartet die Besucher überhaupt eine Rede, schließlich wird diesmal niemand auf den Thron steigen?

Die Schauspielerin Elfie Haas ist eine ältere Dame und sie bekommt einen Thron aufgestellt. Die Rede hat der Autor Felix Huby geschrieben, der in seinen Anfangsjahren als Journalist in Blaubeuren gearbeitet hat. Damals hat er meinen Vater kennengelernt, der dort eine Werkstatt hatte. Die Rede wird auch eine Erinnerung an diese Zeit sein.

Warum wird kein Dentler-Nachfolger sprechen oder lesen?

Die Thronfolge ist gesichert. Meine Nichte Luna will unbedingt, aber sie ist mit 12 Jahren zu jung. Wenn sie 15 ist, schauen wir mal. Die Zeit bis dahin überbrücken wir, indem wir verschiedene Leute ansprechen, ob sie vom Thron aus Weisheiten verkünden wollen. Im vergangenem Jahr hat die Rede mein Bruder Timo gehalten, davor ich zehn Jahre lang. Das war genug. Es hat sich gefügt, dass ich ein Schriftstück gefunden habe, in dem mein Vater notiert hatte, dass die Tochter zehn Jahre die Rede halten soll, dann ist der Sohn dran.

Wie verbringen Sie Schwörmontag?

Ich bin trotzdem in der Goldschmiede, um jene Leuten abzupassen, die nicht mitbekommen haben, dass wir die Thronrede verlegt haben.

Der Dentler-Preis geht an die Dreikönigsbäckerei

Familienbetrieb Die Thronrede wird am Samstag und zwar bereits um 19 Uhr vor der Goldschmiede, Gerbergasse, verlesen. Dazu spielt ein Trio um den Gitarristen Tom Ellerkam. Dabei wird der Dentler-Preis verliehen, worum sich die Dentler-Witwe Gisela Dentler kümmert. Diesmal geht der Preis an die Dreikönigsbäckerei am Galgenberg. Seniorchef Franz Mayer, Sohn und dessen Frau arbeiten in der Bäckerei und gehören zu den vier Bäckereien in Ulm, die noch als Familienbetrieb geführt werden. Das nötigt Gisela Dentler Respekt ab, zumal, wie sie sagt, für ihren verstorbenen Mann Rudolf „Brot immer ein Thema war“.

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