Pfuhl Saalbau wird abgerissen - Pfuhl verliert sein markantestes historisches Gebäude

Zuerst drohte ihm der Abriss, nun wird er unter Denkmalschutz gestellt: der Saalbau in der Pfuhler Hauptstraße.
Zuerst drohte ihm der Abriss, nun wird er unter Denkmalschutz gestellt: der Saalbau in der Pfuhler Hauptstraße. © Foto: Matthias Kessler
Pfuhl / EDWIN RUSCHITZKA 10.01.2013
Der alte Saalbau in Pfuhl muss einem modernen Neubau weichen. Der neue Eigentümer des Hauses Günter Steinle hat bei der Stadt einen Antrag zum Bau eines neuen Gebäudes eingereicht. Die CSU protestiert.

Der Antrag für einen Neubau in der Pfuhler Hauptstraße liegt der Neu-Ulmer Stadtverwaltung bereits seit mehreren Wochen vor. Die Tage des mehr als 100 Jahren alten Saalbaus sind damit gezählt. Das alte Gemäuer, das nicht unter Denkmalschutz steht, wird das Schicksal des bereits abgerissenen Konzertsaals in der westlichen Neu-Ulmer Innenstadt teilen. Eine Sanierung des Hauses, das um die Wende von 19. zum 20. Jahrhundert gebaut wurde, so der Günter Steinle, Chef der gleichnamigen Wohnbaufirma, käme ihm viel zu teuer. Das hätten zum einen Untersuchungen ergeben, zum anderen seien Brand- und Schallschutzauflagen der Stadt so hoch, "dass auch ein Herr Steinle irgendwann die Lust und die Geduld verliert, das Haus zu sanieren".

Als die SÜDWEST PRESSE im April vergangenen Jahres über den Verkauf des Saalbaus an Wohnbau Steinle berichtet hatte, war noch vom Erhalt des Gebäudes die Rede. Günter Steinle wollte unten eine Gastronomie einrichten, im zweiten Geschoss einen schönen Ball- und Veranstaltungssaal. Im dritten Geschoss waren Hotelzimmer vorgesehen. Das ist inzwischen aber Schnee von gestern. Steinle schiebt den Schwarzen Peter der Neu-Ulmer Stadtverwaltung zu. Habe man früher noch die Mängel toleriert, "wurden jetzt alle Register gezogen" und ihm sehr viel strengere Brand- und Schallschutzbestimmungen vorgelegt. Sie einzuhalten, würde das Innere des Gebäudes derart tangieren, dass der Charme verloren ginge. Mehr noch: Eine Sanierung würde teuer. Kosten wolle Steinle nicht genau beziffern, er sprach von einem Millionenbetrag.

Also hat er bei der Stadt den Antrag auf Abbruch des Saalbaus und einen Bauantrag für einen Neubau eingereicht. Steinles Pläne sind offenbar auch weit gediehen. Auf den historischen Saalbau soll ein dreigeschossiges, modernes Wohn- und Geschäftshaus folgen. Unten wird wieder ein Café einziehen. Das Angebot liege dem derzeitigen Betreiber der Eisdiele schon vor. Steinle: "Er freut sich aufs neue Café." Ansonsten sind im Haus nur noch Wohnungen vorgesehen.

In dieser Woche hat die Pfuhler CSU reagiert und Steinle einen Brief geschrieben. In sehr moderatem Ton bittet Johannes Stingl im Namen aller CSU-Stadträte um den Erhalt des Saalbaus: "Wir möchten uns unter völliger Respektierung Ihrer noch laufenden wirtschaftlichen und finanziellen Überlegungen für den Erhalt des Saalbaus aussprechen." Der ortsbildprägende Charakter des sanierten Saalbaus hätte eine nicht zu unterschätzende Funktion für die Identität von Pfuhl und die Akzeptanz des Gesamtvorhabens in der Bevölkerung.

In der Neu-Ulmer Stadtverwaltung wird Steinles Antrag auf einen Neubau noch geprüft. Auch wird überlegt, einen Bebauungsplan aufzustellen, um steuernd einzugreifen. Einen Abbruch könne man aber nicht verhindern, sagt Stadtplaner Jörg Oberle. "Um das schöne Gebäude ist es jammerschade."

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