Der BUND spricht in den Worten seines Regionalsekretärs Ralf Stolz von einem "Rückschlag für die Bemühungen, den Bahnknoten Ulm und den Nahverkehr auf der Schiene in der Region Donau-Iller aufzuwerten". Der Umweltfunktionär sieht in korrigierten Plänen der Bahn, die derzeit im Zuge des Planfeststellungsverfahrens der Neubaustrecke für den Abschnitt Hauptbahnhof Ulm ausliegen, "einen Affront".

Von der beabsichtigten Stärkung des Bahnknotens Ulm bleibe kaum mehr übrig als die bloße Anbindung der Neubaustrecke und eine Neuordnung der Gleise. "Der Regionalverkehr bleibt auf der Strecke!" Der Nahverkehr wäre der Leidtragende der Planungsänderung, lautet eine Einschätzung Stolz. Denn es seien eigentlich sechs durchgehende Gleise erforderlich, um in Ulm nach Jahren der Planung einen Regionalbahn-Vollknoten mit halbstündlicher Bedienung zu erhalten. Wenigstens fünf Bahnsteige und nicht nur vier, wie jetzt planerisch vorgesehen, seien aber unabdingbar.

Die Begründung der Bahn, die Zahl der Güterzüge werde geringer als zunächst prognostiziert, hält der Umweltverband für vorgeschoben. Stolz: "Die Bahn will Kosten sparen - auf Kosten ihrer eigenen Planungen und auf Kosten der Bürger!"

Derweil sorgen ein Bahndossier in Berlin, aus dem die "Stuttgarter Zeitung" zitiert hat, für neue Spekulationen und Verwirrung. Demnach soll das Projekt Stuttgart 21 nicht vor 2021 fertiggestellt werden können, weil es gekoppelt sei an die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm, die wiederum aufgrund der bautechnischen Probleme mit vielen Tunnels nicht vor 2021 realisiert sei. Dies hat postwendend tags darauf Bahnvorstand Volker Kefer bei einer Veranstaltung der Konkurrenzzeitung "Stuttgarter Nachrichten" als Spekulation zurückgewiesen. Laut "Stuttgarter Nachrichten" sagte Kefer: "Wir können das bis Ende 2020 schaffen." Dieser von der Bahn um ein Jahr nach hinten korrigierte Zeitplan wurde wenige Wochen nach dem Volksentscheid bekannt gegeben, nachdem ursprünglich von der Fertigstellung des Gesamtvorhabens bis Ende 2019 ausgegangen worden war.

In die Diskussion, wie viele Bahnsteige der Ulmer Hauptbahnhof nach Realisierung der ICE-Neubaustrecke braucht, die wiederum jetzt im Zuge des Projekts City-Bahnhof geplant werden müssen, mischte sich gestern der Ulmer SPD-Landtagsabgeordnete Martin Rivoir ein. Er verwies auf eine Antwort des baden-württembergischen Verkehrsministers Winfried Hermann (Grüne). Darin macht Hermann keinen Hehl daraus, das sein Ministerium "große Zweifel daran hat, ob die mit den Planungsüberlegungen von DB Fernverkehr abgestimmte Planungskonzeption 2020 ohne Erweiterung der Kapazität des Hauptbahnhofs Ulm um einen fünften Bahnsteig umsetzbar ist".