Chorwerke Russische Musik im Münster

Ulm / Günter Buhles 13.06.2018

Sakralmusik aus Russland ist bei uns selten zu hören. Dass ein ansehnlich großes Publikum im Münster Chorwerke von Sergej Rachmaninow und Rodion Schtschedrin kennenlernen konnte, ist der Dirigentin Juliane Schwerdtfeger zu danken. Sie hat während ihres Kirchenmusikstudiums fünf Monate in Moskau verbracht und setzte die Stücke aufs Programm ihres Assistentenkonzerts mit dem Motettenchor zum Abschluss ihres einjährigen Praktikums im Münster.

Im Zentrum standen Rachmaninows „Chrysostomus-Liturgie“ von 1910 und „Ganznächtliche Vigil“ (auf Deutsch: Wachen) von 1915 aus vorsowjetischer Zeit, als geistliche Musik noch nicht verboten war. Nach einem eröffnenden Amen wartete der Chor im ersten Abschnitt von „Vigil“ mit zügig ablaufender Homophonie auf. Wirkungsvolle Harmonik, doch ohne Kontrapunkt-Effekte in Phasen der Mehrstimmmigkeit, kennzeichnen diese Musik. Der sechste Teil wirkte trotz einer kurzen Steigerung verinnerlicht, ähnlich der „Liturgie“, in der die Soprane aus dem ruhige Ensembleklang herausleuchteten.

Bei „Der versiegelte Engel“ von Schtschedrin, der 1998 Gast der Philharmoniker war, trat die Flötistin Karin Schweigart-Hilario mit lyrischen Kommentaren zum Chor, der dem klaren Dirigat perfekt folgte. Das dreiteilige Werk ist ein Beispiel neuer Musik Osteuropas auf tonalem Fundament, ähnlich der von Pärt, Górecki oder Silvestrow. Während die Flötistin danach noch mit einer kontrastreichen Solosonate von Karg-Elert brillierte und in einem Stück von Jolivet aus ruhigem Beginn über Flatterzungen und expressivem Spiel im höheren Register einen großen Bogen spannte, war die Dirigentin an der großen Orgel zu hören: Die Passacaglia aus dem zweiten Akt von Schostakowitschs Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ – dort ein Orchesterzwischenspiel – geriet zu einem grandiosen neunminütigen Hörabenteuer.