Aber Wulf Neuschwander wäre nicht Chef von fast 70 Science Fiction-Fans, würde er nicht einen Schritt weiter denken: „Die Menschheit sollte sich ein neues Ziel setzen, ein Generationen-Raumschiff bauen und Kurs auf Alpha Centauri nehmen.“ Das ist ein 4,34 Lichtjahre entferntes, benachbartes Sternensystem – schlappe 41 060 740 000 000 Kilometer weit weg. Dort hinzukommen, würde mit herkömmlichen Antrieben sicher tausende von Jahren dauern.

Für die Enterprise D mit ihrem Warp-Antrieb wäre das wohl kein Problem. Da müsste Captain Jean Luc Picard nur „Energie!“ rufen und mit dem Finger nach vorne zeigen, Steuermann Jordi La Forge würde den Schalter umlegen, und das Raumschiff der Galaxy-Klasse wäre quasi im Handumdrehen am Ziel. Womit wir beim Thema wären: der Science Fiction und den Beweggründen, warum sich vor drei Jahren elf Menschen in Ulm zusammengeschlossen und den Verein Übermorgenwelt gegründet haben.

Ihnen geht es um Geschichten von Gestern und Heute über die Welt von Morgen und Übermorgen. So steht’s jedenfalls an der Eingangstüre im Fort Albeck zu lesen, wo der Verein neben den Georgs-Pfadfindern seine Bleibe gefunden hat. Inzwischen zählt man fast 70 Mitglieder, dazu eine Jugendgruppe. In den Räumlichkeiten werden montägliche Treffen (ab 18.30 Uhr) abgehalten, dort trifft sich in geraden Wochen jeden zweiten Samstag um 14 Uhr der Nachwuchs, um zu lesen und zu basteln, Raumschiffe natürlich, sagt der stellvertretende Vorsitzende Jochen Ruckgaber. Nächstes Projekt: das Umsetzen eines Jugendromans zum Hörbuch – mit den Stimmen der Jugendlichen.

Aber mehr noch: Fantasy- und Rollenspielgruppen finden sich im Fort Albeck ein, auch Brettspieler, die kleine Raumschiffe, so genannte X-Wings aus dem Starwars-Imperium, bewegen und auf Kämpfe und Siegpunkte aus sind. „Für uns ist das hier so etwas wie ein Wohnzimmer“, sagt X-Winger Daniel Wahl. „Nach dem Arbeiten abschalten, sich mit Freunden treffen, spielen und die bestellte Pizza essen. Einfach schön!“ Eine andere Gruppe, bevorzugt mit Frauen, befasst sich mit der im viktorianischen Zeitalter angesiedelten Steampunk-Welt, wo nicht Halbleiter und Elektronik dominieren, sondern Zahnräder und Dampfmaschinen. Genre-Autoren wie H.G. Wells (Die Zeitmaschine) oder Jules Vernes (Von der Erde zum Mond) lassen diesbezüglich grüßen.

Apropos Autoren: Der Verein Übermorgenwelt besitzt mehr als 20 000 Bücher und zig Romanhefte wie Perry Rhodan oder Ren Dark, die von Klaus König akribisch archiviert werden. Besonders stolz ist man auf die Spende von 2000 Büchern aus der DDR-Science-Fiction-Literatur. Eine wertvolle Sammlung, die fast zu 70 Prozent komplett ist. Ziel des Vereins ist es, auf 100 Prozent zu kommen. Im Aufbau ist immer noch an Science Fiction-Filmen und -Spielen. Computerspiele sind dagegen verpönt. Bücher und Spiele sind für Wulf Neuschwander „Kino im Kopf – und das macht einfach Spaß.“ Dass es nicht nur um Unterhaltung geht, betont Jochen Ruckgaber: Science Fiction-Literatur gehe sehr viel weiter. Romane beispielsweise von Stanislaw Lem strotzten nur so vor Sozial- und Gesellschaftskritik.

Und welche Zukunftsvisionen hat der junge Verein selbst? Er würde gerne das 1400 Quadratmeter große Stockwerk über den eigenen, nur 130 Quadratmeter großen Räumen im Fort Albeck nutzen. Die Infrastruktur mit beispielsweise Heizung, Sanitär und einem behindertengerechten Treppenlift würde die Stadt Ulm etwa 120 000 Euro kosten. Ein entsprechendes Papier ist erarbeitet, und der Verein hofft, dass genau das nicht Science Fiction bleibt.

Kontakt zum Verein ist möglich unter Tel. (0731) 802 08 14 oder uebermorgen-welt@t-online.de