Prostituierte Aussteigerin berichtet über Zwangsprostitution

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Symbolbild © Foto: Boris Roessler/dpa
Ulm / Harald John 12.07.2018
Eine Aussteigerin berichtet im Rahmen des Donaufests über Zwangsprostitution und die Situation der Prostituierten in Ulm.

Rotlicht in Ulm? Klar, gibt es entlang der Blaubeurer Straße. Wer allerdings genauer hinsieht, erschrickt: 22 Bordelle gibt es in Ulm, und das sind nur die offiziell gemeldeten. 300 Prostituierte sind in Ulm und Neu-Ulm im Milieu. „Das Dunkelfeld ist noch viel größer“, weiß Manfred Paulus. Der Ex-Kriminalhauptkommissar und Leiter der Ulmer Kriminalinspektion beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Prostitution. Heute Abend spricht er in der Volksbank über das Thema „Kinder- und Frauenhandel entlang der Donau – 2013 bis heute.“

Paulus weiß aus seinen Beobachtungen, wie stark der Handel mit Frauen seit dem EU-Beitritt Rumäniens, Bulgariens, der Slowakei und Ungarns zugenommen hat. „Die Schleuserbanden reagieren schnell“, sagt der Experte. Waren es früher Länder wie Moldawien, Weißrussland und die Ukraine, aus denen die Frauen kamen, ist es heute der westliche Balkan. Von Freiwilligkeit könne keine Rede sein: „Die Anmachmethoden, die Schleuseraktivitäten – das alles spricht gegen Freiwilligkeit“, sagt Paulus. Gegenwärtig seien vor allem Albaner und Bulgaren bei den Zuhältern tonangebend: „Der mit dem größten Einschüchterungspotenzial schwimmt oben.“

„Frischfleisch an der Donau“

Die Stadträtinnen Karin Graf (CDU) und Dagmar Engels (SPD), beide aktiv beim „Ulmer Bündnis gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution“, haben den Vortrag von Paulus bewusst in die Woche des Donaufests gelegt. „Schließlich kommt das Frischfleisch die Donau hoch“, sagt Karin Graf. Und deshalb wird es im Anschluss an den Vortrag von Paulus eine Diskussion zum Thema „Die Ulmer Situation – Was ist zu tun?“ geben. Zu den Teilnehmern gehören neben OB Gunter Czisch, Kriminaldirektor Bernd Ziehfreund und Paulus auch die Ex-Prostituierte und Aussteigerin Susann Müller.

Dagmar Engels hat beobachtet, dass Prostitution zunehmend billiger geworden ist. Sogar Junggesellenabschiede würden im Bordell gefeiert. Zusammen mit Karin Graf setzt sie die Arbeit im Bündnis dagegen. „Wir wollen vor Ort aufklären, aber gleichzeitig auf die Politik einwirken.“ Schließlich habe die Bundesrepublik die liberalste Gesetzgebung in Europa. Das Beispiel Schwedens zeige, wie striktere Gesetze das Bewusstsein verändern könnten. Karin Graf nennt zudem die Homepage des Bündnisses (www.ulmer-buendnis-gmuz.de) eine Möglichkeit, Aussteigerinnen anzusprechen. jon

Info Die Veranstaltung „Rotlicht entlang der Blauen Donau“, beginnt heute um 20 Uhr im Großen Saal der Volksbank Ulm, Frauenstraße 60. Eintritt frei.

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