Leitartikel Hans-Uli Mayer zur Euphorie um den Sport Rote Karte für Eigensinn

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. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Hans-Uli Mayer 18.08.2018

Wenn heute um 15.30 Uhr im Donaustadion das Pokalspiel gegen Frankfurt angepfiffen wird, dann träumen nicht wenige von den glorreichen Ulmer Fußballzeiten. Die waren in jüngster Vergangenheit zwar nur von kurzer Dauer, wirken im negativen Sinne aber bis heute nach. Trotzdem werden die Rufe wieder lauter nach einem reinen Fußballstadion, wobei weder über einen möglichen Standort noch zur Finanzierung etwas gesagt wird.

Träumen ist ja erlaubt. Aber je lauter diese Gedanken in die Öffentlichkeit getragen werden, umso stärker wird die Erinnerung an die verheerenden Insolvenzen, die der Fußball in Ulm schon hingelegt hat. Vor diesem Hintergrund ist es wohltuend, dass der Fußball-Vorstand anerkennt, dass es derzeit Wichtigeres gibt, als ein Fußballstadion zu bauen – auch wenn das taktischer Natur sein dürfte. Aber tatsächlich müssen Schulen saniert, Straßen ausgebaut, Brücken gesichert und vor allem die Wissenschaftsstadt auf die Zukunft vorbereitet werden.

Dennoch muss sich die Stadt Gedanken über das Donaustadion machen, das nicht zuletzt als Folge der Fußball-Insolvenzen aus der Zeit gefallen ist. Und zwar für den Fußball wie für die Leichtathletik, die in Ulm mindestens eine so lange Tradition und so einen hohen Stellenwert hat wie der Fußball.

Gemeinsam zur Lösung

Noch vor wenigen Tagen hat die Nation auch mit den Ulmer Athleten bei der EM in Berlin mitgefiebert und sich über die Goldmedaille des Zehnkämpfers Arthur Abele gefreut, dem König der Athleten schlechthin. Wie so oft ist es die Leichtathletik, die der Stadt neben dem Basketball ein Siegerimage gibt.

Gerade deshalb sollten die Vertreter beider Sportarten an einer gemeinsamen Lösung arbeiten. Nur das eigene Wohl im Blick zu  haben, schadete beiden. Insofern wäre auch dem Fußball mehr geholfen, es orientierten sich die laut geäußerten Träume mehr am Machbaren, als an eigensinnigen und rotverdächtigen Idealvorstellungen.

Eine reine Fußball-Arena auf der grünen Wiese bringt viele Nachteile mit sich. Sie muss nicht nur finanziert, sondern auch unterhalten und vernünftig angedient werden. Für ein Heimspiel alle zwei Wochen wird aber keine neue Tram-Linie gebaut. Insofern wird das alte Donaustadion noch lange Zeit das Maß der Dinge sein. Ein Stadion allerdings, das gründlich ertüchtigt werden muss – für alle Sportarten.

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