Auf dem Tagblattturm in Stuttgart waren die sogenannten Rooftopper der Grave Yard Kidz' schon, an der Neckartalbrücke unter der A 81, auf dem ThyssenKrupp Elevator Testturm in Rottweil oder dem Langwellensender in Donebach - und jetzt eben auch auf dem 161 Meter hohen Turm des Ulmer Münsters. 

Das Youtube-Video, das bei der Aktion entstand, macht die Runde in den sozialen Medien. Die Bilder treiben den Puls in die Höhe, lassen die Hände anfangen zu schwitzen und den Atem stocken. Im Video zu sehen: es ist Nacht, jemand läuft durch die Straßen Ulms, durch die Fußgängerzone, nur wenige Menschen sind unterwegs. Der Kameramann kommt am Münsterplatz an, ein kurzer Blick auf die Fassade, Schnitt. 

Blick von oben auf Münsterplatz, der Protagonist steht offensichtlich auf dem Turm des Ulmer Münsters, Blick in den Münsterturm, Schnitt. Auf einmal steht der Kameramann offensichtlich nicht mehr im Münsterturm, sondern befindet sich an der Außenfassade, kurzer Schwenk auf die Hände, man sieht zum ersten Mal den Mann hinter der Kamera. Ein mit Totenkopfmaske und Mütze vermummter junger Mann, der auf den Wasserspeiern gut 143 Meter über dem Erdboden steht, freihändig, mit Blick auf den Ulmer Münsterplatz in der Morgendämmerung.  Per Selfiestick zeigt er den Ausblick, frei, ohne Gitter, ohne Netz, ohne Halt. 

Ein weiterer Schnitt und der Filmende befindet sich wieder im Münsterturm, geht die Wendeltreppe nach unten, gewährt einen letzten Blick auf den Turm von außen.  
 
 

Was ist eigentlich Roofing?

Unter Roofing - oder auch Rooftopping - versteht man eine Extremsportart, die besonders in großen Städten praktiziert wird und die größte Szene in Russland hat. Jugendliche oder junge Erwachsene klettern dabei ohne Sicherung auf möglichst hohe Gebäude und liefern von dort spektakuläre Videoaufnahmen und Bilder, die sie im Internet über Youtube, Instagram und Co. einer möglichst großen Community zur Verfügung stellen. jo  

Strafrecht

Ob das in der Klettersprache "Free solo" genannte Stück strafrechtlich relevant wird, hängt nicht zuletzt von der Kirchengemeinde ab. Wie Polizeisprecher Wolfgang Jürgens auf Anfrage mitteilt, kommen die Tatbestände des Hausfriedensbruchs oder eventuell auch der Sachbeschädigung – beides so genannte Antragsdelikte - in Frage. Im Klartext heißt das, dass die Polizei von sich aus wegen der Kletterpartie nicht tätig wird, um offiziell ermitteln zu können, braucht es eine Strafanzeige der Kirchengemeinde. Eine kleine Ausnahme gibt es noch: Sollte die Staatsanwaltschaft den Vorgang für gravierend bewerten, könnte sie wegen der Gefahr möglicher Nachahmer aus Gründen der Generalprävention von sich aus ermitteln.  hum