Rede Roman Herzogs Rede zu 600 Jahren Schwörbrief

Bundespräsident Roman Herzog am 21. Juli 1997 auf dem Balkon des Ulmer Schwörhauses vor seiner Rede zu 600 Jahre Schwörbrief.
Bundespräsident Roman Herzog am 21. Juli 1997 auf dem Balkon des Ulmer Schwörhauses vor seiner Rede zu 600 Jahre Schwörbrief. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Hans-Uli Mayer 11.01.2017
Ulm und die Bundespräsidenten: Der verstorbene Roman Herzog hat die Rede zu 600 Jahre Schwörbrief gehalten. Außerdem waren schon Theodor Heuss, Johannes Rau und Joachim Gauck zu Besuch in Ulm.

So schön Ulm und Neu-Ulm für ihre Bewohner sein mögen, national oder gar international bedeutsame Polit-Prominenz macht außerhalb von Wahlkampfzeiten für gewöhnlich einen großen Bogen um die Doppelstadt an Donau und Iller. Anders die Bundespräsidenten, von denen schon vier zu offiziellen Besuchen an der Donau waren.

Allen voran der im Alter von 82 Jahren verstorbene Roman Herzog, der 1997 Hauptredner an Schwörmontag war. Nur wenige Wochen nach seiner noch heute weithin bekannten „Ruck-Rede“ zur Eröffnung des Berliner Hotels Adlon am Brandenburger Tor stand Herzog anlässlich der Feierlichkeiten zu 600 Jahre Schwörbrief auf dem Balkon des Ulmer Schwörhauses und appellierte nachdrücklich an den Gemeinschaftssinn, wie ihn gerade die Stadtverfassung Ulms über die Jahrhunderte widerspiegele.

Der Bundespräsident hatte sich in seiner damals knapp halbstündigen Rede vor etwa 4000 Gästen auf dem Weinhof gegen die Verzagtheit im Volk gewandt, gegen damals um sich greifende Visionen des Niedergangs und gegen die drohende Verwahrlosung des öffentlichen Raums.

Herzog, der vor fast 20 Jahren wegen seiner damals unmittelbar auf den Ulm-Besuch folgenden Dienstreise zu US-Präsident Bill Clinton nur zweieinhalb Stunden in der Stadt war, hatte sich ins Goldene Buch der Stadt eingetragen und die versammelten Kommunalpolitiker zu einer Wiederbelebung der Innenstädte und des Gemeinsinns aufgefordert.

Der Auftritt des Präsidenten bot seinerzeit auch den würdigen Rahmen für die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an die Schwester von Hans- und Sophie Scholl, Inge Aicher-Scholl. Sie wurde im Beisein Herzogs für ihre Verdienste geehrt, wozu die Gründung der Volkshochschule, der Geschwister-Scholl-Stiftung und der Hochschule für Gestaltung (HfG) gehören.

Herzog war im Übrigen nicht der einzige und auch nicht der erste Bundespräsident, der Ulm seinen offiziellen Besuch abgestattet hatte. Aus der heutigen Zeit betrachtet war der bisher letzte der noch wenige Monate amtierende Joachim Gauck, der – ebenfalls sehr geschichtsträchtig – 2012 zur Einweihung der neu errichteten Synagoge auf den Ulmer Weinhof gekommen war. 74 Jahre nach der Zerstörung der Synagoge in der Reichskristallnacht 1938 war fast an derselben Stelle die neu errichtete Synagoge im Beisein des Präsidenten eröffnet worden.

Der erste Bundespräsident überhaupt in der Stadt war derweil Theodor Heuss, der gleichzeitig auch erster Präsident (1949 bis 1959) der damals noch jungen Bundesrepublik Deutschland war. Der aus Stuttgart stammende Schwabe war aus privaten Gründen zwar mehrfach in Ulm gewesen, aber nur ein einziges Mal in offizieller Mission: 1953 zum Deutschen Feuerwehrtag, angereist aus der damaligen Bundeshauptstadt Bonn am Rhein.

Der ebenfalls schon verstorbene Bundespräsident Johannes Rau hatte der Stadt Ulm im Jahr 2004 einen Besuch abgestattet, um an den Geburtstag von Ulms berühmtesten Sohn Albert Einstein zu erinnern, der am 14. März 1879 in UIm geboren worden war.