Rezension Roman „Tajo bleibt“: Einblicke in das Leben eines Flüchtlings

Ulm / Kommentar von Naomi Panda (8b) 15.01.2018

„No work, no tea, that’s Germany“. Alle Anwesenden, sowohl Schüler, als auch Lehrer müssen bei diesem Satz grinsen. Zu Deutsch bedeutet er „Keine Arbeit, kein Tee, das ist Deutschland“, und stammt aus dem Roman „Tajo bleibt“, der im Rahmen des Leseherbstes am Ulmer Schubart-Gymnasium vorgestellt wurde. Andreas Schlüter hat das Buch zusammen mit seiner Frau geschrieben.

Voneinander lernen

„Tajo bleibt“ ist aus der Sicht eines Mädchens namens Lisa erzählt. Schon im ersten Kapitel lernen sie und ihre deutsch-türkische Freundin Hülya Tajo, einen Flüchtling aus Nigeria, kennen: An einem S-Bahnhof in Hamburg, wo sie ihm bei der Flucht vor einer Schar Männern helfen, die Tajo sonst zusammenschlagen würden. Am nächsten Tag kommt er dann in ihre Klasse.

Tajo kann nur wenig Deutsch und weil Lisa sehr schlecht in Englisch ist, lädt sie ihn zu sich nach Hause ein, damit beide gegenseitig voneinander lernen können. Mit der Zeit freunden sie sich immer mehr und mehr an. Es führt sogar dazu, dass nach einem Brand im Flüchtlingsheim Lisa eine illegal eingewanderte Flüchtlingsfamilie aufnimmt – um Tajos und seiner Freunde Willen. Das ist auch die Zeit, in der Hülya ihre Dichtkünste entdeckt: „No work, no tea, that`s Germany!“, sagt sie dem Vater der Familie, als er nicht beim Abräumen des Frühstücktischs mithilft und schnappt ihm den Tee vor der Nase weg.

Lisas Vater ist Polizist und nicht gerade darüber begeistert, dass seine Tochter eine illegal eingereiste Familie mit nach Hause gebracht hat. Aber Tajo, Lisa und ihre Freundinnen lösen alle Probleme. Und dann, als sie glauben, alles hinter sich gebracht zu haben und Tajos 18. Geburtstag feiern wollen, passiert es: Tajo soll abgeschoben werden.

Nach einem wahren Ereignis

Dies alles ist nicht einfach nur ausgedacht, sondern hat ein wahres Ereignis als Vorbild. Der Junge heißt natürlich in echt nicht Tajo und es gibt wohl auch keine Lisa oder Hülya, aber die Situation ist mehr oder weniger die gleiche: Die Eltern sind vor ihm nach Deutschland gekommen und holen ihn dann nach. Und während er sich auf das Abi vorbereitet, wird er achtzehn und soll dann abgeschoben werden. Natürlich kann man nicht ganz nachvollziehen, wie sich eine Person dabei fühlt, man kann nicht für sie sprechen, ohne dasselbe durchgemacht zu haben, deshalb ist der Roman ja auch aus Lisas Sicht geschrieben. Aber dieser Roman kann uns als Lesern einen Einblick in so eine Situation gewähren, so dass man zumindest eine Ahnung davon bekommt, was das für einen Menschen bedeutet.

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