Wie bekommt man Farbe auf den tristen Kornhausplatz? Indem man die lange, breite Betonsitzbank zum Laufsteg einer Modenschau macht und zwar für eine Fashion-Show mit „Romani-Design“ aus Budapest. Anlässlich der Sinti & Roma-Kulturwoche in Ulm, die noch bis Samstag, 21. September, dauert, stellte die ungarische Designerin Erika Varga ihre Kollektion vor. Sie hat die nicht alltäglichen Modelle mit einem Team von Roma-Frauen entwickelt.

Die Farben der Stoffe leuchten richtig im Sonnenlicht

Die plissierten Röcke leuchteten im Sonnenlicht am Samstagnachmittag – in Hellgelb, Türkis, Knallrot und Orange, jedoch selten in Uni, sondern meist in bunten Blumenmustern oder Patchworkstreifen. Ganz typisch sei für dieses Romani-Design, dass die Stoffe mit Gold- und Silberfäden durchzogen sind, erklärte eine Sprecherin, die Erika Vargas Absichten  übersetzte. Dieses Modeprojekt bestehe aus einem Mix von traditionellen und modernen Stoffen, aber es sei genauso ein neuer Ansatz, „eine Botschaft zu verbreiten und den Kulturaustausch zwischen Roma und Nicht-Roma zu ermöglichen“.

In die Jeansjacke wurde ein Trachtenstoff eingearbeitet

So hat Erika Varga etwa in das Rückenteil einer Jeansjacke einen ungarischen Trachtenstoff eingearbeitet. Die Folkloreröcke sind nicht wie sonst lang und aus schweren Stoffen, sondern aus leichten Materialien und durchaus hoch geschlitzt.

Passanten, die zufällig den Kornhausplatz überquerten, und geladene Gäste, die alle stehend die Modenschau verfolgten, staunten nicht schlecht,  als die Designerin selbst ein ungarisches Lied vortrug zu CD-Musik. Live indes stimmte ein ungarisches Bläserensemble – alle in Weiß gekleidet – auf das weitere Musikprogramm der Kulturwoche ein.

„Vorurteilen couragiert entgegentreten“


Mahnwache In der Hirschstraße haben Organisationen wie das Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg Ulm, die Stolpersteininitiative Ulm sowie der Landesverband Deutscher Sinti & Roma am Samstag dazu aufgerufen, „sich zu informieren und antiziganistischen Vorurteilen couragiert entgegenzutreten“. Hintergrund ist auch der rassistische, antiziganistische Angriff auf eine Sinti-Familie in Dellmensingen im Mai.