Memmingen Rocker-Prozess: Roy El-Halabi sagt aus

Rocker-Prozess: Roy El-Halabi sagt aus
Rocker-Prozess: Roy El-Halabi sagt aus © Foto: dpa
Memmingen / BERND RINDLE 11.04.2014
Beim Mordprozess in Memmingen wartete die Verteidigung mit zwei nicht ganz unbekannten Zeugen und einem überraschenden auf.

Nach dem Eingeständnis von Asmon G., aus Notwehr auf Eduard W. und Alexander S. geschossen zu haben, haben seine Verteidiger drei Zeugen aufgeboten, die die Glaubhaftigkeit ihres Mandanten untermauern sollten - um zu verdeutlichen, dass die Aggression nicht von den Angeklagten, sondern von ihren Kontrahenten ausgegangen ist.

Was ein 45-jähriger Maurer bestätigte.  Aufgrund seiner Erlebnisse mit Murat C., Eduard W. und Alexander S., die er aus dem Ulmer Nachtleben her seit langem kenne , habe er selbst Kontakt mit den Verteidigern von Asmon G. aufgenommen, um vor Gericht auszusagen. "Diese Gruppe ist gefährlich", sagte er, "ich weiß, dass ich jetzt aufpassen muss." Er zeigte seine Narbe im Gesicht, die ihm Eduard W. beigebracht haben soll.

Zeuge Roy El-Halabi wurde eingeflogen. Er sitzt gegenwärtig in Berlin seine Haftstrafe wegen der Schüsse auf seine Tochter und Boxerin Rola ab und kennt das Trio aus der Rotlicht- und Türsteherszene bestens. Mit Eduard W. sei er lange befreundet gewesen, bis der auf die "kriminelle Schiene mit Waffen und Drogen" abgedriftet sei, sagte er. Ausgerechnet von ihm, dem späteren Bodyguard seiner Tochter, habe er die Tatwaffe erhalten, mit der er dann auf die Boxerin schoss. Dass Murat C. und seine Freunde im Konfliktfall Gewalt angewandt hätten, sei nicht ungewöhnlich: "Das ist gang und gäbe bei diesen Leuten."

Auch der dritte Zeuge, der Ex-Präsident der Black Jackets, kam aus einer Zelle in den Zeugenstand, da er wegen erpresserischem Menschenraub einsitzt. Er sei aufgrund einer persönlichen Fehde und wegen der Rivalität der jeweiligen Gruppierungen von Murat C. über den fingierten Anruf eines Dritten im Jahr 2009 in eine Falle gelockt worden. Dabei hatte er Murat C. durch einen Messerstich verletzt und wurde hernach vor Gericht auch in zweiter Instanz freigesprochen. Der Ex-Boss der Straßengang bezeichnete seinen damaligen Kontrahenten als "Rädelsführer" einer deutsch-russisch-türkischen Türstehergruppierung: "Es ist bekannt, dass die Leute, die sich in dieser Szene bewegen, bewaffnet sind oder sein müssen."