Gewalt Schweigen im Prozess gegen Rocker auf Rachefeldzug in Ulm

Prozessauftakt gegen Rocker.
Prozessauftakt gegen Rocker. © Foto: Chris Wille
Ulm / Bernd Rindle 13.10.2018

Unter großen Sicherheitsvorkehrungen ist am Freitag der Prozess gegen fünf Männer eröffnet worden, die sich vor dem Landgericht Ulm wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, als Mitglieder der als rockerähnlich eingestuften Gruppierung „Rock Machine“ aus Rache mit Gewalt gegen Angehörige der verfeindeten „United Tribuns“ vorgegangen zu sein.

Nach Überzeugung der Anklage steht der nächtliche Überfall vor einem Ulmer FKK-Club in Zusammenhang mit einem Konflikt zwischen beiden Gruppen, dem massive Provokationen seitens der „United Tribuns“ aus Heidenheim vorausgegangen seien. Neben Beleidigungen ist im Mai 2015 vor einem Bordell in der Blaubeurer Straße auch ein Schuss gefallen. Darauf hätten die Ulmer beschlossen, „Vergeltung zu üben“.

Überwachungskamera filmt Rachefeldzug

Mit Schlagstöcken bewaffnet soll sich eine achtköpfige Gruppe auf den Rachzug zu einem FKK-Club ins Donautal begeben haben, wo sie Mitglieder der Rivalen vermuteten und zwei von ihnen in einem Auto antrafen. Dann hagelte es Schläge und Tritte, wobei auch das Fahrzeug demoliert wurde. Alles vor der Linse einer Überwachungskamera.

Die Angeklagten schlossen eine Aussage nicht grundsätzlich aus, wollten sich aber zunächst zur Sache nicht äußern. Dafür ließ Rechtsanwältin Anke Stiefel-Bechdolf wissen, dass ihr an einer Verfahrensabkürzung ebenso gelegen sei, wie an einer Orientierung hinsichtlich der voraussichtlichen Strafzumessung. Zumal die Provokationen ausschließlich von den „Tribuns“ ausgegangen seien.

„Dass es da keine Liebe zwischen den Parteien gibt, scheint mir naheliegend zu sein“, bemerkte der Vorsitzender Richter Wolfgang Tresenreiter, machte aber deutlich, dies rechtfertige keine Selbstjustiz. Er kündigte an, „die Intensität des Vorgehens und die Vorbelastung“ der Angeklagten bei der Würdigung nicht außer acht zu lassen. „Gottseidank gab es keine allzu schweren Verletzungsfolgen.“ Wobei Verteidiger Thomas Maurer einwarf, dass das Strafverfolgungs-Interesse der Gegenseite „nicht sonderlich hoch“ sei.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft vermutete, dass die Verteidigung auf ein Strafmaß abzielt, das noch eine Bewährung ermöglicht. Doch darauf wollte er sich nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge nicht einlassen. Vielmehr halte er „für einen Teil der Angeklagten Strafen im nicht mehr bewährungsfähigen Maß für notwendig.“

Der Prozess wird kommenden Freitag fortgesetzt.

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