Übung Rettung in höchster Not

Ulmer Höhenretter im Einsatz: Szenen der spektakulären Übung im Dichterviertel auf dem ehemaligen Betriebsgelände von Wagner und Hefele.
Ulmer Höhenretter im Einsatz: Szenen der spektakulären Übung im Dichterviertel auf dem ehemaligen Betriebsgelände von Wagner und Hefele. © Foto: Bernd Rindle
Ulm / BERND RINDLE 16.06.2016
Alarm im Herzen Ulms: Im Dichterviertel verfängt sich ein Gleitschirmflieger an einer Bautafel und verletzt sich. Eine Übung der Höhenretter.

Die Lage ist dramatisch. Ein Gleitschirmflieger wird von der vollen Wucht einer Windböe getroffen und auf ein Baugerüst geschleudert. Schwer verletzt liegt er in 18 Metern Höhe und kann sich aus eigener Kraft nicht mehr aus seiner misslichen Lage befreien. Ohne fremde Hilfe scheint sein Schicksal besiegelt zu sein.  An den Einsatz eines Rettungshubschraubers ist nicht zu denken – dafür ist der Wind zu stark und das Gerüst zu fragil. Die Beschaffenheit des aufgeweichten Geländes spricht auch nicht dafür, schweres Gerät der Feuerwehr in Stellung zu bringen. Also liegt alle Hoffnung auf den Schultern der Höhenretter der Ulmer Feuerwehr.

 „Wir sind die Bergwacht der Stadt“, beschreibt deren Leiter Johannes Hühn die Rolle der Gruppe. Sowohl er als auch seine zwölf Kollegen der 1996 gegründeten Abteilung haben eine Feuerwehr- sowie eine 80-stündige Spezialausbildung zum Höhenretter absolviert und sind im Regelfall in Ulm und dem Alb-Donau-Kreis im Einsatz. Immer dort, wo mit herkömmlicher Feuerwehrtechnik nichts auszurichten ist.

Damit die schwindelfreie Truppe ihre Job erledigen kann, wird regelmäßig der Ernstfall geprobt und alle zwei Wochen an den Fertigkeiten gefeilt. Notwendigerweise unter realistischen Bedingungen. Als der Alarm einging, wusste keiner der Einsatzkräfte, was auf sie zukommen sollte, ergo hatten Feuerwehr und Rettungsdienst vor Ort die Lage abzuklären. Beim Gleitschirmflieger angekommen, kam kurz darauf der Ruf von oben: „Der Verletzte ist ansprechbar und gesichert!“ Es  stellte sich heraus, dass Eile geboten war: Sein Oberschenkel war von einem Metallteil durchbohrt – eine „Pfählungsverletzung“ im Fachjargon.

Zwischenzeitlich waren die Höhenretter mit ihrer 15 Kilo schweren Ausrüstung am Gürtel eingetroffen und begannen im Stahlgewirr des Gerüst-Inneren Seilwege zu bauen und notwendige Hilfsmittel hoch zu schaffen. Darunter auch ein Bolzenschneider, mit dem der Stahlstift abgezwickt wurde, der dem Mann im Bein steckte. Und wo er vorerst auch bleiben sollte, wie der Notarzt aufklärte, der ansonsten als Anästhesist im Bundeswehrkrankenhaus arbeitet. „Aus Sicherheitsgründen wird der erst in der Klinik entfernt.“

 Nun konnte das Unfallopfer unter den Fittichen eines Retters via Hängesitz zwischen Gerüststreben nach unten gelassen werden, wo er von den Sanitätern auf eine stabile Liege gelegt und in den Rettungswagen verfrachtet werden konnte.