Ulm Retrospektive des "Bananensprayers"

Alles Banane: Thomas Baumgärtels "Tina in New York" von 1996 besteht ganz aus gesprühten Bananen.
Alles Banane: Thomas Baumgärtels "Tina in New York" von 1996 besteht ganz aus gesprühten Bananen. © Foto: VG Bild-Kunst
HELMUT PUSCH 20.04.2016
Die Bananen, mit denen Thomas Baumgärtel Museen und Galerien auszeichnet, kennt man. Auch am Ulmer Kunstverein prangt eine. Von Freitag an ist dort eine Retrospektive des "Bananensprayers" zu sehen.

Sein Markenzeichen ist die Banane. 4000 von ihnen prangen an Museen und Galerien, die der "Bananensprayer" Thomas Baumgärtel damit ausgezeichnet hat. Der Ulmer Kunstverein bekam seine vor 15 Jahren. Und jetzt zum 30-Jährigen dieser Aktion ist im Kunstverein von Freitag an eine Retrospektive Baumgärtels zu sehen.

Dass der Kunstverein damals seine Banane bekam, ist dem Ulmer Galeristen Bernd Geserick zu verdanken, der Baumgärtel seit den 90ern vertritt und der ebenfalls von Freitag an eine Baumgärtel-Schau in seinen Bege-Galerien zeigt. Denn als der Künstler dessen Galerie und das Ulmer Museum mit der exotischen Frucht besprüht hatte, fragte er, wer in Ulm sonst noch die Auszeichnung verdiene: "Der Kunstverein", sagte Geserick - und Baumgärtel sprühte.

Die Retrospektive im Schuhhaussaal zeigt, dass bei Baumgärtel zwar vieles, aber längst nicht alles Banane ist. Durchgängig in der Schau "Nichts ist so, wie es scheint" ist vielmehr die Lust am Hinterfragen und am Provozieren. Wenn Baumgärtel etwa eine Banane ans Kreuz nagelt, eine mannsgroße Sprühdose Cadmium-Gelb in den Saal stellt, die er Ton in Ton mit religiösen Symbolen überzogen hat, vier rechtwinklig-krumme Bananen als Hakenkreuz arrangiert oder sich zum Korruptionsskandal der Fifa zu Wort meldet, die er als Banane mit sechseckigen Fußball-Flecken versieht. In einer anderen Reihe wildert er in der Kunstgeschichte, interpretiert etwa eine Fötus-Fotografie Lennart Nilssons, Akte, Nymphen oder Porträts von Robin Gibb und Harald Schmidt neu - als Raster aus Dreiecken. Nur: Diese Dreiecke sind für Baumgärtel die Blütenstempel der Banane.

Und es gibt sie doch, die Werkgruppen, die weder gelb noch Südfrucht sind, etwa wenn Baumgärtel Fotografien nach ihrer seriellen Qualität befragt und nachsprayt, oder wenn er eine Kabelrolle, einen Farbeimer und eine alte Flurgarderobe mit Silberbronze überzieht und mit dem Ausstellungsslogan beschreibt. Besonders schön und hintersinnig: eine Leiter, die an einer Säule des Schuhhaussaals lehnt und deren mit "Liebe", "Freiheit", "Kunst" und "Freude" beschriebene Sprossen alle intakt sind. Nur die mit der Aufschrift "Glaube" ist gebrochen.

Eine Arbeit fällt gänzlich aus dem Rahmen. Das Porträt David Bowies in einem schwarzen Stern. "Blackstar" hatte der im Januar Verstorbene sein letztes Album getauft.

Info Die Ausstellung im Kunstverein wird am Freitag,19 Uhr, eröffnet. Um 20 Uhr startet die Ausstellung in den Bege Galerien. Dort sind Editionen des Künstlers zu sehen. Zudem wird ein Scheck übergeben: Baumgärtel hatte zum Münsterjubiläum eine Edition gestaltet, aus deren Verkauf 2000 Euro ans Münster fließen.