Das Licht des grauen Herbsttags dringt nur schwach in den Innenraum der Pizzeria „Da Fato“. Dennoch ist durch das Glasfenster zu erkennen, wie es um das Restaurant am Willy-Brandt-Platz steht: Ein langer Riss durchzieht die Glaswand am Eingang, ein halbaufgespannter Sonnenschirm liegt vor der Bar, auf einem Rollwagen sind einige Steinfliesen aufgestapelt. Das Stück Papier, das an er Eingangstür klebt, räumt die letzten Zweifel aus: „Geschlossen“. Erneut hört ein Gastronom nach kurzer Zeit in dieser Location auf. Warum?

Wirt der Pizzeria: Probleme mit Obdachlosen und Nachbarn

Nachfrage beim früheren Betreiber: „Das Abendgeschäft war zu schlecht“, betont Fato Mehmeti, der das Lokal erst im Juni 2018 eröffnet hatte. Kurios: Der Mittagstisch sei hingegen sehr gut gelaufen. „Wir hatten viele Berufstätige und Schüler da, ihnen hat es gut geschmeckt“, sagt Mehmeti. Doch abends, wenn die Ulmer mehr Zeit haben, länger sitzen, mehr Geld ausgeben, blieben viele Plätze leer.

Ein Grund dafür ist Mehmeti zufolge die Situation am Willy-Brandt-Platz: „Hier treffen sich Obdachlose vor dem Rewe, lungern herum. Wenn es dunkel wurde, trauten sich einige Gäste nicht mehr her.“ Außerdem habe er Ärger mit seinen Nachbarn gehabt: „Bei der Eröffnungsfeier hatte ich einen Gitarristen da. Obwohl es noch recht früh war, haben Anwohner sofort die Polizei gerufen, weil es ihnen zu laut war. Seitdem war die Situation angespannt.“ Mehmeti ist froh, dass er „das Kapitel Ulm“ hinter sich gelassen hat. Er konzentriert sich nun auf seine Pizzeria Volare, die er in Friedrichshafen betreibt.

Schwierige Suche nach einem Pächter am Willy-Brandt-Platz

Beim Verpächter der Räumlichkeiten in Ulm, der Kling Automaten GmbH aus dem Landkreis Ravensburg, ist man über die Kündigungen der Gastronomen freilich unglücklich. Nach dem Aus eines chinesischen Restaurants folgte ein Burger-Laden. Nach knapp zwei Jahren war schon wieder Schluss. Man hoffte schließlich auf Mehmeti als langfristigen Pächter.

Tom Lengsfeld, bei Kling für diese Immobilie verantwortlich, kann Mehmetis Argumente für den Rückzug teilweise nachvollziehen. Er räumt ein, dass sich am Willy-Brandt-Platz eine gewisse Klientel herumtreibt, die störend sein kann.

In Ulm gibt es viele italienische Restaurants

Als Hauptgrund lässt er das allerdings nicht durchgehen: „In Ulm gibt es viele hochklassige italienische Restaurants. Mit einer durchschnittlichen Pizza kommt man im Abendgeschäft nicht weit, wenn die Konkurrenz frischen Fisch oder andere Spezialitäten anbietet. Vor allem dann nicht, wenn man etwas dezentral liegt.“

Dass die Lage der Location ein grundlegendes Problem für die Gastronomie mit sich bringe, weist Lengsfeld zurück. Er betont: „Der Burger-Landen und das asiatische Restaurant hatten keine Umsatz-Probleme. Hier gab es andere, nicht-wirtschaftliche Gründe für die Schließung.“

Café Einstein: Betreiber kritisiert mangelhafte Konzepte bei Mitbewerbern

Dass das Geschäft in der Ulmer Oststadt über lange Zeit erfolgreich laufen kann, hat Thomas Bauer bewiesen. Von 1988 bis 2008 betrieb er das Café Einstein in den Räumlichkeiten am Willy-Brandt-Platz. „Es ist natürlich keine 1A-Lage, dennoch lässt sich hier etwas aufbauen“, sagt Bauer. Auch er habe manchmal Probleme mit pöbelnden Gruppen am Rewe gehabt. „Außerdem gab es mal einen Sommer, in dem mir ein Nachbar grundlos 60 Mal die Polizei vorbeigeschickt hat“, erinnert sich der 60-Jährige.

Einmal Einstein, dreimal Bauer: Das Ehepaar Manuela und Thomas, welches das „Einstein“ seit mehr als 31 Jahren betreibt, dazu Matthias (rechts), der Bruder von Thomas. Er verantwortet den Service.
© Foto: Volkmar Könneke

Dennoch ist für ihn klar, dass ein Gastronom mit einem klaren Plan dort einen Betrieb etablieren kann. „Wir haben unsere Lage mit dem Wechsel ans Basteicenter damals sogar verschlechtert“, sagt Bauer, der 2008 nach Unstimmigkeiten mit der Kling GmbH die Räumlichkeiten wechselte. „Trotzdem können wir uns halten, weil wir ein durchdachtes Konzept haben, uns Tag für Tag Mühe geben und nicht aufs schnelle Geld aus sind.“

Dieser Ansatz fehle vielen Gastronomen heutzutage. Eine Rückkehr an den Willy-Brandt-Platz komme für Bauer im Übrigen nicht infrage. „Ich bin kurz vor der Rente. Ich denke eher ans Aufhören als an Expansion“, sagt er.

Willy-Brandt-Platz in Ulm: Kommt eine Shisha-Bar?

Derweil sucht Tom Lengsfeld von der Firma Kling nach einem neuen Pächter. Zahlreiche Interessenten hätten sich bereits gemeldet, einige mit einem Konzept für eine Shisha-Bar. Lengsfeld bevorzugt allerdings andere Ideen: „Ein Mischkonzept mit Bistro- und Bar-Betrieb kann ich mir dort sehr gut vorstellen.“ Dennoch wolle er nicht ausschließen, dass eine Shisha-Bar den Zuschlag erhält.

Dieser Artikel ist in Kooperation mit cityStories Ulm entstanden.

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